Während die Rheinmetall-Aktie unter den Nachwirkungen der Prognosesenkung vom 6. August leidet, mehren sich operative Erfolgsmeldungen aus dem Konzern. In den vergangenen Wochen kamen mehrere neue Aufträge hinzu, die zeigen: Das Auftragsbuch wächst weiter, auch wenn der Kapitalmarkt derzeit misstrauisch bleibt.
Am Mittwoch meldete die US-Tochter American Rheinmetall einen Auftrag von Kongsberg Defence & Aerospace, einer Tochter des norwegischen Kongsberg-Konzerns. Es geht um die Fertigung von Komponenten für den MCT-30-Mittelkaliberturm, der in eine Radschützenpanzervariante des Amphibious Combat Vehicle des US Marine Corps verbaut wird.
Das Volumen liegt bei geschätzt 0,71 Millionen US-Dollar – finanziell überschaubar, aber mit Signalwirkung: Weitere Folgeaufträge aus dem US-Marinekorps-Programm gelten als möglich.
Größerer Brocken aus Litauen
Deutlich gewichtiger ist ein Auftrag, den Rheinmetall bereits vor rund zwei Wochen vom Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr erhalten hat. Der Konzern baut ein modulares Camp in Litauen für bis zu 2.000 Soldaten auf.
Der Aufbau ist mit 250 Millionen Euro veranschlagt, der laufende Betrieb mit weiteren 40 Millionen Euro pro Jahr. Rheinmetall übernimmt dabei nicht nur die Errichtung, sondern auch Facility Management und Verpflegung – Inbetriebnahme ist ab Mitte August 2027 geplant. Der Auftrag wird im dritten Quartal 2026 verbucht.
Solche Aufträge unterstreichen, wie breit Rheinmetall inzwischen aufgestellt ist: von der Munitionsfertigung über Fahrzeugsysteme bis zur Infrastrukturbetreuung für die Bundeswehr.
Ergänzend demonstrierten Rheinmetall Air Defence und Hensoldt Mitte August während der Luftwaffenübung „Timber Express 2026″ in Manching die erfolgreiche Integration passiver Sensortechnik für vernetzte Luftverteidigung – ein weiterer Baustein im Wachstumsfeld Air Defence, das im zweiten Quartal mit einem Umsatzplus von 78 Prozent zu den dynamischsten Segmenten des Konzerns zählte.
Der Kurs bleibt unter Druck
Von der operativen Auftragsdynamik ist am Kapitalmarkt bislang wenig zu spüren. Die Aktie schloss am Freitag bei 1.036,00 Euro, nach einem Tagesminus von 3,2 Prozent. Damit notiert das Papier rund 5,5 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 1.096,57 Euro – ein Zeichen, dass sich der kurzfristige Abwärtstrend seit der Guidance-Senkung vor rund einem Monat fortsetzt und noch nicht gebrochen ist.
Anleger dürften nun auf den nächsten größeren Termin schauen: Im Dezember steht die parlamentarische Behandlung des Arminius-Boxer-Großauftrags an, ehe im gleichen Monat oder im Januar 2027 eine Anzahlung von rund 3 bis 3,5 Milliarden Euro erwartet wird.
Bis dahin dürfte der Nachrichtenfluss aus kleineren und mittleren Aufträgen wie jenen aus Litauen und den USA das Bild prägen – während die Bilanz für das dritte Quartal am 5. November zeigen muss, ob die gesenkte Umsatzprognose von 13,7 bis 14,2 Milliarden Euro Bestand hat.
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