Rheinmetall treibt seinen Ausbau als Rüstungskonzern an mehreren Fronten gleichzeitig voran. Während die Aktie zuletzt unter Druck stand, meldet der Konzern operative Fortschritte, die über die reine Kurszahl hinausweisen: neue Investitionen am Standort Kassel, einen ausgelieferten US-Prototypen und eine Zertifizierung für ein Drohnensystem der Bundeswehr.

270 Millionen Euro für den Kassel-Hub

Am 27. August kündigte Rheinmetall Investitionen von rund 270 Millionen Euro am Standort Kassel an. Geplant sind ein Drohnen-Testzentrum am Flughafen Calden, ein Logistik-Hub sowie ein Ausbau der Produktionsanlagen. Konzernchef Papperger kündigte an, Kassel solle zum „modernsten Panzerwerk“ der Welt werden.

Die Belegschaft am Standort soll von derzeit 2.200 auf 3.500 Beschäftigte wachsen, konzernweit peilt Rheinmetall bis 2030 rund 70.000 Mitarbeiter an. Der Umsatz in Kassel liegt aktuell bei 1,5 Milliarden Euro pro Jahr, bis 2029 soll er auf 5 Milliarden Euro steigen.

Diese Expansionspläne fallen in eine Phase, in der Rheinmetall seine Jahresprognose vor rund einem Monat wegen der Stornierung des F126-Fregattenprogramms senken musste. Der Umsatzausfall im Marinegeschäft belastet die Erwartungen für 2026 um 300 Millionen Euro. Dass der Konzern trotzdem an milliardenschweren Standortinvestitionen festhält, unterstreicht das Vertrauen in die langfristige Nachfrage aus dem Landsystem- und Munitionsgeschäft.

US-Geschäft und Drohnentechnik kommen voran

Parallel zu den Kassel-Plänen meldete American Rheinmetall am 1. September die Auslieferung des ersten von acht Lynx-XM30-Prototypen an die US-Armee. Das Programm gilt als zentraler Baustein für den Zugang zum US-Rüstungsmarkt, einem der größten Beschaffungsmärkte weltweit.

Einen Tag später erhielt die Aufklärungsdrohne LUNA NG von der Bundeswehr Aviation Authority eine vorläufige Lufttüchtigkeitszulassung – ein Schritt, der den Weg zum operativen Einsatz des Systems ebnet.

Beide Meldungen fügen sich in eine Reihe operativer Fortschritte, die den Auftragsbestand des Konzerns stützen. Bereits im Juli hatte Rheinmetall einen mehrere hundert Millionen Euro schweren internationalen Auftrag für vier komplette Skynex-Luftverteidigungssysteme gebucht, mit einer Lieferzeit von 39 Monaten. Mitte August bezifferte Papperger die Erwartung für den Auftragsbestand 2026 auf über 100 Milliarden Euro.

Kurs bleibt unter Druck, Fundamentaldaten liefern Gegengewicht

An der Börse zeigt sich davon bislang wenig. Die Aktie notiert aktuell bei 1.027,40 Euro und hat allein in den vergangenen 30 Tagen rund 10 Prozent verloren. Der Titel liegt damit rund 6,4 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt, was auf eine anhaltend schwache kurzfristige Kursdynamik hindeutet.

Zugleich bewegt sich die Aktie nur noch 14 Prozent über ihrem 52-Wochen-Tief vom 25. Juni – ein deutlicher Abstand zu den Höchstständen vom Herbst vergangenen Jahres.

Die operativen Nachrichten der vergangenen Wochen – Kassel-Investition, US-Auslieferung, Drohnenzertifizierung – zeichnen ein Bild, das im Widerspruch zur Kursentwicklung steht. Für Anleger bleibt die Frage, ob der Auftragsbestand von über 80 Milliarden Euro und die angekündigten 100 Milliarden Euro als Wachstumssignal ausreichen, um das durch die F126-Stornierung und die gesenkte Guidance beschädigte Vertrauen zurückzugewinnen.