Rheinmetall startete den Freitag knapp über der Marke von 950 Euro. Zum Auftakt gewinnt die Aktie leicht und kommt auf rund 955 Euro. Am Donnerstag waren noch einmal 0,65 % verloren gegangen. Damit bleibt der Rüstungstitel weit unter 1.000 Euro und zugleich in deutlichem Abstand zu seinen früheren Höchstständen.
Rheinmetall sollte mit den aktuellen Zahlen normalerweise punkten können
Für neue Fantasie sorgt derzeit ein Auftrag, der noch gar nicht vergeben ist. Rheinmetall möchte gemeinsam mit KNDS das Bundeswehr-Projekt „Arminius“ übernehmen. Das Vorhaben könnte mehr als 40 Milliarden Euro wert sein. Die Entscheidung wird erst im Dezember erwartet. Genau hier setzt inzwischen die Skepsis der Börse an. Rheinmetall verfügt bereits über einen Auftragsbestand von mehr als 80 Milliarden Euro. Gleichzeitig müssen die Produktionskapazitäten stark erweitert werden. Dazu kommen die hohen und am Anleihemarkt aktuell noch immer steigenden Zinsen, die bei staatlichen Großprojekten die Finanzierung erschweren können. Der Markt fragt deshalb nicht mehr nur, wie viele Aufträge kommen, sondern auch, wann sie tatsächlich umgesetzt und bezahlt werden.
Diese Frage passt zur Entwicklung des Cashflows. Im zweiten Quartal war der Free Cashflow negativ. Rheinmetall begründete dies unter anderem mit dem Aufbau von Vorräten für die künftige Auftragsabwicklung. Für Anleger entsteht damit ein Unterschied zwischen dem hohen Auftragsvolumen und dem Geld, das tatsächlich in die Kassen fließt. Operativ wächst der Konzern dennoch kräftig. Für 2026 werden 13,7 bis 14,2 Milliarden Euro Umsatz erwartet, die operative Marge soll bei etwa 19 % liegen. 2025 waren es 9,94 Milliarden Euro Umsatz und eine operative Marge von 18,5 %. Rheinmetall rechnet bis 2030 sogar mit bis zu 50 Milliarden Euro Umsatz.
Die Börsenbewertung ist inzwischen deutlich zurückgekommen. In diesem Jahr stand die Aktie zeitweise über 1.920 Euro, der Börsenwert lag damals bei mehr als 70 Milliarden Euro. Jetzt sind es weniger als 50 Milliarden Euro. Bei einem erwarteten Nettogewinn von rund 1,6 Milliarden Euro entspricht das weiterhin einem KGV von ungefähr 30. Die Analysten bleiben deutlich optimistischer als der Markt. Ihre Kursziele liegen im Durchschnitt bei etwa 1.600 Euro. Charttechnisch steht Rheinmetall dagegen weiterhin unter Druck: Der GD100 liegt rund 13,9 % über dem aktuellen Kurs, der GD200 sogar 29,4 %.
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