Mit einem Plus von 0,91 % auf 1.025,40 Euro kann sich Rheinmetall heute wieder etwas von der Marke von 1.000 Euro lösen. In dieser Woche hat die Aktie bislang rund 3,5 % gewonnen. Die Stimmung bleibt dennoch rätselhaft schwach. Bis zur 200-Tage-Linie fehlen noch 25,16 %, der Abwärtstrend ist damit klar. Immerhin ist der Abstand zur 1.000-Euro-Marke wieder etwas größer geworden. Das ist aus charttechnischer Sicht wichtig. Einige Beobachter meinen, es könne eigentlich nur aufwärts gehen. Neue Impulse könnten aus der geplanten Vertiefung der militärischen Zusammenarbeit zwischen Deutschland und den USA kommen. Rheinmetall verfügt bereits über eine starke Präsenz auf dem US-Markt und kann gemeinsame Vorhaben mit eigener industrieller Fertigung verbinden. Vorgesehen sind gemeinsame Entwicklung, Produktion, Lizenzfertigung und Instandhaltung von Waffensystemen.

US-Perspektive wird besser

Besonders konkret wird die US-Perspektive beim Schützenpanzer Lynx. Rheinmetall bewirbt sich beim US-Heer um einen Großauftrag für mehr als 4.000 Fahrzeuge. Auch der Bedarf an Lenkflugkörpern wächst. Verteidigungsminister Boris Pistorius bot deshalb an, zusätzliche Produktionskapazitäten in Deutschland aufzubauen. Nach seinen Angaben stößt dieser Vorschlag auf großes Interesse.

Rheinmetall kann dafür auf eine vorhandene industrielle Basis zurückgreifen. Der Konzern fertigt unter anderem Rumpfsegmente für den F-35-Tarnkappenjet und entwickelt moderne Munitionssysteme. Hochqualifizierte Fachkräfte und ausgebaute Produktionskapazitäten sind vorhanden. Beides wird für gemeinsame Projekte zwischen Deutschland und den USA relevant, wenn größere Stückzahlen und kürzere Lieferzeiten gefragt sind.Hinzu kommen die Lieferketten. Die vereinbarte engere Verzahnung der beiden Verteidigungsindustrien soll industrielle Kapazitäten auf beiden Seiten des Atlantiks besser miteinander verbinden. Rheinmetall kann seine bestehende US-Präsenz nutzen und deutsche Produktionsstandorte in internationale Programme einbinden.

Das mögliche Geschäft reicht dabei über einzelne Fahrzeugprogramme hinaus. Gepanzerte Fahrzeuge, Munition und moderne Verteidigungstechnik gehören zu den Bereichen, in denen die Nachfrage nach größeren Produktionsvolumina steigt. Rheinmetall verfügt bereits über die entsprechenden Geschäftsbereiche und kann neue Kooperationen deshalb auf vorhandenen Kapazitäten aufbauen.

Eine weitere internationale Verbindung entsteht über Kanada. Das Land beteiligt sich seit Juni als erstes außereuropäisches Land am EU-Verteidigungsinstrument SAFE. Das Programm umfasst 150 Milliarden Euro für gemeinsame Rüstungsbeschaffung. Rheinmetall ist in diesem Umfeld neben Airbus, Thales und Leonardo vertreten. Eine engere Einbindung Kanadas in europäische Verteidigungsprogramme würde den erreichbaren Markt für Rheinmetall erweitern.

An der Börse spiegelt sich dieses Potenzial bislang nur begrenzt wider. Mit 1.025,40 Euro bleibt der Abstand zur 200-Tage-Linie groß. Analysten gehen dennoch von Kurszielen um 1.650 Euro aus und haben diese immer noch nicht entscheidend geändert.