Während Rheinmetall im operativen Geschäft an mehreren Fronten gleichzeitig arbeitet, richtet sich der Blick der Anleger zunehmend auf den Dezember: Dann soll die Bundeswehr die finale Entscheidung über das „Arminius“-Programm treffen, den Rahmenvertrag für zusätzliche Boxer-Radpanzer.
Marktbeobachter beziffern den Auftrag auf 12 bis 13 Milliarden Euro, die feste Bestellung soll sich auf rund 1.800 Fahrzeuge belaufen. Bis zur Unterschrift bleibt die Aktie damit ein Stück weit im Wartemodus.
Verzögerungen bei Schlüsselprojekten belasten das Sentiment
Neben der Vorfreude auf Arminius mehren sich zugleich kritische Signale aus der Beschaffungsbürokratie. Interne Dokumente des Beschaffungsamts BAAINBw dokumentieren Verzögerungen und Qualitätsmängel gleich bei zwei Großprojekten.
Die Auslieferung des Flugabwehrsystems „Skyranger 30“ verschiebt sich laut Bundeswehr von Mitte 2026 auf voraussichtlich Mitte 2027. Beim „Schweren Waffenträger Infanterie“, einer Boxer-Variante, wurde ein Verzug von mindestens elf Monaten wegen „ungenügender Reife“ protokolliert.
Solche Meldungen erklären zumindest teilweise, warum die Aktie zuletzt unter Druck stand: Der Kurs notiert bei 1.142,20 Euro und hat in den vergangenen sieben Handelstagen 6,1 Prozent verloren.
Zum Jahresbeginn stand die Aktie noch deutlich höher – gegenüber dem 52-Wochen-Hoch von 2.007 Euro von Anfang Oktober fehlen inzwischen 43 Prozent. Der jüngste 30-Tage-Trend zeigt allerdings ein Plus von 11 Prozent, ein Hinweis darauf, dass sich der Ausverkauf zumindest zwischenzeitlich stabilisiert hat.
Diversifikation über Sensorik und Robotik
Operativ treibt Rheinmetall die Erweiterung seines Portfolios voran. Zusammen mit Hensoldt demonstrierte das Unternehmen kürzlich die Integration passiver Sensortechnologie in ein modernes Luftverteidigungssystem. Zudem übernahm Rheinmetall im Auftrag des BAAINBw die Gesamtverantwortung für das Forschungsprojekt „InterRoC VII“ zur Autonomisierung militärischer Logistikketten.
Parallel wurde die Mehrheitsübernahme des kroatischen Robotikspezialisten DOK-ING abgeschlossen; das Geschäft geht in der neuen Einheit „Rheinmetall Unmanned Vehicles“ auf. Diese Schritte deuten auf eine strategische Verbreiterung jenseits der klassischen Landsysteme hin.
Auch im medizinischen Bereich bleibt Rheinmetall Bundeswehr-Lieferant: Ein bestätigter Auftrag über mobile Rettungsstationen mit einem Volumen von mehr als 500 Millionen Euro ergänzt das Portfolio an militärischer Infrastruktur.
Analysten uneins über die Bewertung
Die Reaktionen der Analysehäuser fallen unterschiedlich aus. Jefferies hob das Kursziel am 15. August von 1.300 auf 1.350 Euro an und bestätigte die Einstufung „Buy“, verwies dabei auf eine verbesserte Sektorstimmung.
Die Deutsche Bank bekräftigte am selben Tag ihre Kaufempfehlung mit einem deutlich höheren Kursziel von 1.800 Euro und wertete zuletzt gemeldete Verzögerungen bei Auftragseingängen als reinen Zeitverzug ohne fundamentale Risikoveränderung.
Die Q2-Berichterstattung vor gut drei Wochen hatte bereits gezeigt, dass nicht jede Entwicklung im Sinne des Konzerns läuft: Die Umsatzprognose für 2026 wurde um 300 Millionen Euro gesenkt, nachdem die Bundeswehr das Fregatten-Programm F126 an den Wettbewerber TKMS vergeben hatte. Die operative Marge von rund 19 Prozent für 2026 blieb davon jedoch unberührt. Seither hat die Aktie kaum auf diese Nachricht reagiert.
Für Substanz sorgt indes die Dividendenpolitik: Der Vorstand bestätigte für das Geschäftsjahr 2025 eine Rekorddividende von 11,50 Euro je Aktie, ein Plus von 42 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert von 8,10 Euro. Anleger, die auf die Entscheidung im Dezember zum Boxer-Rahmenvertrag warten, dürften diesen Ausschüttungskurs als Signal werten, dass der Konzern trotz einzelner Projektverzögerungen auf seiner Wachstumslinie bleibt.
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