Mit einem Raketenstart in den Vereinigten Staaten erschließt Rheinmetall ein neues Geschäftsfeld im erdnahen Orbit. Gestern brachten der Rüstungskonzern und das Raumfahrtunternehmen Argotec ihren ersten gemeinsam entwickelten Satelliten in den Weltraum.

Der Start erfolgte an Bord einer Falcon-9-Trägerrakete von SpaceX von der Vandenberg Space Force Base im US-Bundesstaat Kalifornien. Am Aktienmarkt stieß der Vorstoß in das Weltraumsegment auf verhaltene Zustimmung: Im heutigen Handel legte die Rheinmetall-Aktie um 1,1 Prozent auf 960,20 Euro zu.

Früherkennung von Luftbedrohungen aus dem Orbit

Die operative Umsetzung des Vorhabens liegt auf Konzernebene bei der Tochtergesellschaft Rheinmetall Italia S.p.A. Kern des Programms ist die Schaffung weltraumgestützter Fähigkeiten für die nationale Sicherheit und die Luftverteidigung. Spezielle Sensoren an Bord des Satelliten sind darauf ausgelegt, am Boden frühzeitig Anzeichen entstehender Bedrohungen aus der Luft zu erfassen und entsprechende Warnmeldungen zu liefern.

Die Weiterverarbeitung der Sensordaten und Bildaufnahmen erfolgt über künstliche Intelligenz, um die Ergebnisse in bestehende militärische Verteidigungssysteme einzuspeisen. Der aktuelle Orbitalflug dient vor allem der praktischen Validierung der Systeme unter Einsatzbedingungen im All. Dieser Schritt bereitet den Aufbau einer künftigen Satellitenkonstellation vor, für die bereits im Jahr 2028 ein weiterer Raketenstart vorgesehen ist.

Ergänzung zur Hochtechnologie am Boden

Das Aufklärungsprojekt fügt sich in die Strategie ein, komplexe Systemfähigkeiten über das klassische Rüstungsgeschäft hinaus auszubauen. Zu dieser Ausrichtung zählen auch großvolumige Fertigungen moderner Luftfahrtkomponenten auf der Erde.

So betreibt Rheinmetall am Standort Weeze eine 200 Millionen Euro teure Produktionsstätte für Rumpfmittelteile des Kampfflugzeugs F-35 im Auftrag des US-Konzerns Northrop Grumman. Die dortige Fertigung umfasst 400 geplante Rumpfteile und ist auf eine Laufzeit von mindestens 20 Jahren ausgelegt.

Kursverlauf im langfristigen Kontext

Trotz der technologischen Erweiterung bleibt das Marktumfeld für den Konzern an der Börse anspruchsvoll. Nach den Kurszuwächsen früherer Perioden zeigt das Papier im bisherigen Jahresverlauf deutliche Bremsspuren: Seit Jahresanfang beläuft sich das Minus auf 38 Prozent.

Die Etablierung im Bereich satellitengestützter Frühwarnarchitekturen unterstreicht jedoch den Versuch, sich künftig als Anbieter vernetzter militärischer Gesamtsysteme zu positionieren.