Rheinmetall meldet in den vergangenen Tagen gleich mehrere neue Rüstungsaufträge – von der US-Marine bis zur Bundeswehr. An der Börse kommt das bislang kaum an: Das Papier notiert am heutigen Dienstag zwar mit einem Plus von 2,3 Prozent bei 1.046,40 Euro, bleibt damit aber weiterhin deutlich unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 1.098,44 Euro. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 33 Prozent zu Buche.
Auftragsflut aus mehreren Ländern
Am Freitag vergangener Woche vermeldete Rheinmetall Canada einen Auftrag der US-Marine für Ersatzkomponenten des Systems MSU-200NAV. Das Volumen bewegt sich im einstelligen Millionenbereich, die Auslieferung ist zwischen Ende 2026 und Ende 2028 vorgesehen – eher ein kleiner Baustein im Konzernportfolio.
Größer fällt ein Auftrag der Bundeswehr aus: Ende August orderte die deutsche Armee laut Unternehmensangaben 149 weitere mobile Rettungsstationen, das Volumen liegt bei über 500 Millionen Euro. In Großbritannien ist Rheinmetall zudem Teil des Konsortiums Omnia Training, das seit Juli die Digitalisierung der Gefechtsausbildung übernimmt – mit einem Auftragsanteil von knapp einer Milliarde Euro über 15 Jahre.
Deutlich größer sind die Dimensionen bei zwei laufenden Verfahren, deren Ausgang aber noch offen ist. In den USA konkurriert das Fahrzeug Lynx XM30 von American Rheinmetall um einen Auftrag für rund 4.000 Kettenfahrzeuge mit einem Gesamtwert von über 45 Milliarden Dollar.
Die Prototyp-Testphase läuft, eine Entscheidung steht noch aus. Parallel dazu nähert sich das rumänische Beschaffungsprojekt „Arminius“ einer Entscheidung: Finale Verhandlungen sind für die zweite Septemberwoche angesetzt, die parlamentarische Behandlung soll am 9. Dezember folgen.
Der Fahrzeugvertrag soll rund 12,4 Milliarden Euro umfassen, hinzu kommt ein Servicevertrag über 4 Milliarden Euro, von dem 2 Milliarden Euro auf Rheinmetall entfallen sollen. Eine Anzahlung von rund 30 Prozent wird für Ende Dezember oder Januar erwartet.
Rückschlag beim Fregattenprogramm
Nicht jede Nachricht fällt positiv aus. Deutschland hat das Fregattenprogramm F126 mit einem Volumen von 12,8 Milliarden Euro nach bereits getätigten Ausgaben von rund 2,3 Milliarden Euro gestoppt.
Statt der ursprünglichen Planung sollen nun acht kleinere Fregatten vom Typ MEKO A-200 gebaut werden – von ThyssenKrupp Marine Systems, nicht von Rheinmetall als Hauptauftragnehmer. Für den Konzern bedeutet das den Wegfall eines Großprojekts, das zuvor als strategisch wichtig galt.
Nachwirkungen der Quartalszahlen
Die eigentliche Ursache für die schwache Kursentwicklung liegt weiter zurück: Anfang August hatte Rheinmetall zwar ein Rekordquartal mit Rekordumsatz, Rekordmarge und Rekord-Auftragsbestand vorgelegt, gleichzeitig aber die Jahresprognose gesenkt und einen negativen Free Cashflow ausgewiesen.
Die Aktie brach damals zeitweise um 8,5 Prozent auf 1.111 Euro ein. Von diesem Niveau hat sich das Papier bis heute nicht nachhaltig erholt, wie der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt von 25 Prozent zeigt.
Personell gab es zum 1. September 2025 einen Wechsel im Vorstand: Vera Saal übernahm damals die Position der Personalvorständin und Arbeitsdirektorin bei Rheinmetall.
Für Anleger bleibt das Bild gemischt: Die operative Auftragslage wirkt robust, mit Arminius und dem US-Kettenfahrzeug-Programm stehen zwei potenzielle Großaufträge im Raum. Der Kursverlauf spiegelt jedoch die Skepsis wider, die seit den Quartalszahlen und dem Rückschlag beim Fregattenprogramm auf dem Papier lastet.
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