Die Rüstungsindustrie verzeichnet anhaltend hohe Zuwächse, doch an den Aktienmärkten agieren Investoren zunehmend zurückhaltender. Die Aktie von Rheinmetall notiert heute bei 950,00 Euro und verliert im Tagesverlauf 0,7 Prozent. Damit beläuft sich der Börsenwert des Düsseldorfer Konzerns auf 45,10 Milliarden Euro.
Hinter der verhaltenen Kursentwicklung steht eine Phase, in der volle Auftragsbücher auf strategische Herausforderungen bei Lieferketten und Beschaffung treffen.
Zuwächse im globalen Rüstungsgeschäft
Wie das Friedensforschungsinstitut Sipri in einem aktuellen Bericht darlegt, legten die Erlöse der 26 größten europäischen Rüstungshersteller im vergangenen Jahr um 13 Prozent auf rund 151 Milliarden US-Dollar zu.
Das Wachstum wird vor allem auf die Bedrohungslage durch Russland, Nachbestellungen sowie Rüstungshilfen für die Ukraine zurückgeführt. Vier deutsche Hersteller erzielten dabei ein Umsatzplus von 36 Prozent auf knapp 15 Milliarden US-Dollar. Rheinmetall ragte mit einem Erlösanstieg von 47 Prozent hervor.
Parallel dazu treibt der Konzern sein Geschäft im Ausland über Tochtergesellschaften voran. Gestern meldete die US-Tochter American Rheinmetall einen Vertrag mit den US-Streitkräften. Die Vereinbarung umfasst die Lieferung von 3.104 neuen MK93-Waffenhalterungen sowie 245 Upgrades mit einem Gesamtvolumen von 20,7 Millionen US-Dollar.
Die Auslieferungen sollen bis Oktober 2027 laufen. Gemessen am für 2026 angestrebten Konzernumsatz von 13,7 bis 14,2 Milliarden Euro besitzt der Abschluss zwar nur ein geringes finanzielles Gewicht, festigt jedoch die operative Basis im US-Markt.
Schweizer Exportbasis und langfristige Wachstumsziele
Auch an anderen Standorten spielt Rheinmetall eine dominante Rolle. Eine Auswertung von Behördendaten der Schweizer Seco durch die Wochenzeitung WOZ ergab, dass die Schweiz im Jahr 2025 Kriegsmaterialexporte im Volumen von 2,77 Milliarden Schweizer Franken bewilligte.
Davon entfielen 1,96 Milliarden Franken und damit rund 71 Prozent auf drei Rheinmetall-Tochtergesellschaften sowie ein Gemeinschaftsunternehmen. Allein auf Rheinmetall Air Defence entfielen Genehmigungen von mehr als 1,6 Milliarden Franken.
Das Unternehmen expandierte in der vergangenen Dekade kräftig: Lag der Jahresumsatz vor zehn Jahren noch bei knapp 5 Milliarden Euro, nähert er sich mittlerweile der Marke von 10 Milliarden Euro. Bis zum Jahr 2030 peilt der Vorstandsvorsitzende ein Erlösvolumen von 50 Milliarden Euro an.
Im ersten Halbjahr 2026 steigerte der Konzern seinen Umsatz um 39 Prozent auf 5,227 Milliarden Euro, während das operative Ergebnis um 74 Prozent auf 786 Millionen Euro zulegte. Der operative Free Cashflow lag in diesem Zeitraum hingegen bei minus 1,616 Milliarden Euro.
Absicherung kritischer Lieferketten
Mit dem rasanten Ausbau der Rüstungsproduktion wachsen zugleich die Risiken bei der Rohstoffversorgung. Sipri verweist in seiner Untersuchung darauf, dass Verknappungen bei Vormaterialien zunehmend zu einem begrenzenden Faktor für die europäische Verteidigungsindustrie werden.
Laut einem Bericht von Politico reagieren deutsche Industrieunternehmen auf mögliche neue Handelsbeschränkungen zwischen der Europäischen Union und China, indem sie teils Vorräte an Seltenen Erden für mehrere Monate anlegen.
Rheinmetall selbst verwies in einer Unternehmenspräsentation darauf, kurzfristig Sicherheitsbestände zu erhöhen. Zudem prüfe das Management Alternativen bei kritischen Rohstoffen und verfolge eine breitere Aufstellung bei den Zulieferern, um möglichen Engpässen vorzubeugen.
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