Rheinmetall ist auch vor dem Wochenende nicht mehr in Schwung gekommen. Die Notierungen haben am Ende einen Abschlag in Höhe von 1,59 % hinnehmen müssen. Die Aktie kam mit 1.150 Euro in das Ziel: Enttäuschend. Dabei gibt es durchaus interessante Nachrichten aus Düsseldorf.

Rheinmetall mit Panzerproduktion in Hessen

Rheinmetall baut in Kassel seine industrielle Basis für kommende Bundeswehr-Aufträge massiv aus. Gemeinsam mit dem Land Hessen investiert der DAX-Konzern rund 300 Mio. Euro in den Flughafen Kassel-Calden und das Umfeld des dortigen Werks. Bis Ende 2027 soll ein rund 30.000 Quadratmeter großes Logistikzentrum entstehen, zusätzlich ist ein Testzentrum für unbemannte Drohnen vorgesehen.

Noch vor den Details des Ausbauprogramms zeigt der aktuelle Börsenkurs, wie weit die Erwartungen des Marktes inzwischen auseinanderliegen können. Rheinmetall beendete den Freitag bei 1.154,60 Euro und damit 1,59 % unter dem vorherigen Schlusskurs. Gegenüber dem im Oktober erreichten 52-Wochen-Hoch von 2.007 Euro ergibt sich ein Abstand von rund 43 %.

Der Ausbau in Nordhessen besitzt vor allem wegen des Radpanzers Boxer eine konkrete industrielle Zielsetzung. Rheinmetall fertigt das Fahrzeug gemeinsam mit KNDS. Für das Arminius-Projekt der Bundeswehr stehen mögliche Aufträge von bis zu 40 Mrd. Euro im Raum. Eine erste Tranche könnte mehr als 1.500 Boxer umfassen und 12,4 Mrd. Euro erreichen.

Für September wird eine Beschlussvorlage über 25 Mio. Euro erwartet. Der Schritt wäre ein wichtiger Verfahrenspunkt auf dem Weg zu einer möglichen Großbestellung. Rheinmetall muss seine Produktionskapazitäten allerdings bereits vorher erweitern, weil die Fertigung hoher Stückzahlen entsprechende Flächen, Logistik und Personal voraussetzt.

Am Kasseler Standort arbeiten derzeit rund 2.200 Menschen. Bis Ende 2028 soll die Belegschaft auf 3.000 Mitarbeiter steigen. Der geplante Personalaufbau fällt damit zeitlich in dieselbe Phase wie die erwartete Ausweitung der Boxer-Produktion. Das Unternehmen bindet somit bereits heute Ressourcen für Aufträge, deren endgültiger Umfang politisch noch nicht feststeht.

Auch insgesamt ist und bleibt die Auftragslage erstklassig. Vorstandschef Armin Papperger erwartet für das Gesamtjahr einen Auftragsbestand von mehr als 100 Mrd. Euro. Bereits 2025 lag dieser bei über 80 Mrd. Euro, während der Umsatz um 29 % auf 9,9 Mrd. Euro stieg und der Gewinn um 32 % zulegte.

Analysten sehen die Aktie aktuell deshalb bei ca. 1690 Euro.