Rheinmetall meldet einen neuen Auftrag aus den USA, doch an der Börse ändert das wenig am angeschlagenen Kursbild. American Rheinmetall erhielt einen Vertrag über 7,28 Millionen US-Dollar zur Lieferung von 12 autonomen Bodenfahrzeugen des Typs Mission Master SP sowie fünf amphibischen Kits für das U.S. Marine Corps. Das Unternehmen bestätigte den Auftrag selbst.
Der Rüstungskonzern zeigt sich damit weiter operativ aktiv auf mehreren Feldern gleichzeitig. Parallel zur US-Marine-Order stellte Rheinmetall zentrale Battlesuite-Schnittstellen, darunter Onboard API und Tactical API, als Open Source zur Verfügung.
Zudem liefert die kanadische Tochter Rheinmetall Canada Ersatzkomponenten für Air-Start-Units der U.S. Navy, ein Auftrag im einstelligen Millionen-Euro-Bereich, den das US-Verteidigungsministerium über die Canadian Commercial Corporation vergeben hat.
Strategische Allianz und Investition in Deutschland
Auf europäischer Ebene bündelt Rheinmetall Kräfte mit MAN Truck & Bus und der polnischen WB Group. Die drei Unternehmen vereinbarten eine strategische Partnerschaft für Militärfahrzeuge, die europäische Streitkräfte ausrüsten soll.
Zusätzlich kündigte Rheinmetall gemeinsam mit der hessischen Landesregierung ein Memorandum of Understanding an: Geplant ist ein dreistelliges Millionen-Euro-Investment in ein neues Logistik- und Technologiezentrum am Flughafen Kassel-Calden, dessen Inbetriebnahme bis Ende 2027 vorgesehen ist.
Diese Häufung an Aufträgen und Kooperationen zeigt, dass Rheinmetall operativ vom politischen Rüstungsschub in Deutschland und der veränderten Haushaltslage profitiert. Trotzdem hält die Kursschwäche an, die deutschsprachige Medien zuletzt mit genau diesem Widerspruch beschrieben: Auftragsflut auf der einen, anhaltender Kursverfall auf der anderen Seite.
Aktie bleibt trotz Auftragsflut angeschlagen
Der Blick auf die Notierung bestätigt das Bild. Rheinmetall schloss am Donnerstag bei 1.013,00 Euro, ein Plus von 0,5 Prozent auf Tagessicht. Auf Sicht von zwölf Monaten steht dennoch ein Rückgang von 46 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn beläuft sich das Minus auf 35 Prozent. Die Aktie hat sich damit deutlich von ihrem Rekordhoch aus dem Oktober vergangenen Jahres entfernt und bewegt sich näher an ihrem 52-Wochen-Tief.
Bei den Analysten zeichnet sich ein gespaltenes Bild ab. Anfang September stufte mwb Research die Aktie von „Verkaufen“ auf „Halten“ hoch, das Kursziel blieb bei 1.050 Euro unverändert – ein Signal, dass die Talfahrt aus Sicht des Hauses zumindest an Dynamik verliert.
Die Deutsche Bank hatte zum gleichen Zeitpunkt ihre Einschätzung „Buy“ mit einem deutlich höheren Kursziel von 1.800 Euro versehen, was die Diskrepanz zwischen fundamentaler Bewertung und aktuellem Kursniveau unterstreicht.
Für Anleger bleibt die Gemengelage komplex: Operativ liefert Rheinmetall Auftrag um Auftrag, von den USA über Kanada bis nach Polen und Hessen. An der Börse überwiegt dennoch die Skepsis, die sich in den scharfen Kursabschlägen der vergangenen Monate niederschlägt. Der nächste Ergebnisbericht für das dritte Quartal, angekündigt für den 4. November, dürfte zeigen, ob sich die operative Stärke bald auch im Kurs widerspiegelt.
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