Ein abgesagter Börsengang beim Wettbewerber KNDS schickt Rheinmetall zurück über die 1.000-Euro-Marke. Nach Wochen brutaler Kursverluste atmen Anleger im Rüstungssektor spürbar auf. Die Frage ist, ob die Erholung trägt oder nur eine kurze Verschnaufpause markiert.

Die Rheinmetall-Aktie notiert aktuell bei 1.068,40 Euro. Das ist ein Plus von 1,21 Prozent gegenüber dem Vortagesschluss von 1.055,60 Euro. Auf Wochensicht steht ein Anstieg von 13,08 Prozent zu Buche.

KNDS sagt Börsengang ab

Am Mittwoch wurde bekannt: Der deutsch-französische Panzerbauer KNDS verschiebt seinen geplanten Börsengang. Als Grund nennt das Unternehmen die hohen Marktschwankungen im Rüstungssektor.

Der eigentliche Streitpunkt war die Bewertung. Banker hielten bis zu 15 Milliarden Euro für realistisch. Investoren wollten dagegen nicht mehr als 12 Milliarden Euro zahlen. Diese Lücke ließ sich offenbar nicht schließen.

Am Markt wird die Absage als Entwarnungssignal gelesen. Der Bewertungsdruck, der zuletzt auf der gesamten Branche lastete, könnte nachlassen. Rheinmetall hatte bei der ursprünglichen KNDS-Ankündigung deutlich an Wert verloren, weil Anleger Sektor-Bewertungen neu einordneten.

Charttechnik zeigt erste Stabilisierung

Der jüngste Kurssturz bei Rheinmetall hing auch mit Problemen beim F126-Fregattenprojekt zusammen. Nun hellt sich das kurzfristige Bild auf. Der RSI liegt bei 43,1 und damit im neutralen Bereich – die Aktie gilt nicht mehr als überverkauft.

Die nächste Hürde wartet bei etwa 1.112 Euro. Bis dahin bleibt aber noch Luft nach oben, denn der 50-Tage-Durchschnitt liegt bei 1.202,67 Euro. Der 200-Tage-Durchschnitt notiert sogar bei 1.542,85 Euro – rund 31 Prozent über dem aktuellen Kurs.

Pistorius setzt auf US-Kooperation

Politischer Rückenwind kommt von Verteidigungsminister Boris Pistorius. Im Vorfeld des NATO-Gipfels will er die Produktion von US-Waffensystemen auf deutschem Boden ausbauen. Ziel ist eine geringere Abhängigkeit von Importen, etwa bei Patriot-Raketen.

Rheinmetall könnte als führender deutscher Systemanbieter profitieren. Voraussetzung wäre der Aufbau entsprechender Fertigungskapazitäten in Deutschland.

Die Erholung der vergangenen Tage kann die Gesamtbilanz aber nicht ausgleichen. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 33,29 Prozent, auf Sicht von zwölf Monaten sind es sogar 37,99 Prozent. Zum 52-Wochen-Hoch von 1.995 Euro aus dem September 2025 fehlen weiterhin 46,45 Prozent. Ob die Aktie die Widerstandsmarke bei 1.112 Euro überwinden kann, dürfte sich in den kommenden Handelstagen zeigen.