Der Düsseldorfer Rüstungskonzern Rheinmetall erweitert sein technologisches Portfolio jenseits klassischer Landsysteme. Neben Fortschritten bei unbemannten Landsystemen setzt das Unternehmen zunehmend auf weltraumgestützte Aufklärung. Damit will der Konzern den Anforderungen moderner Streitkräfte an vernetzte Sensorik und Lagebilder gerecht werden.

Satellitenüberwachung und autonome Gefechtsfahrzeuge

Gemeinsam mit dem italienischen Partner Argotec brachte Rheinmetall Italia am 1. Oktober den ersten Satelliten für die militärische Luftverteidigungsüberwachung in den Orbit. Der Start erfolgte mit einer SpaceX-Rakete in den USA. Die Mission markiert einen Schritt, Aufklärungsdaten direkt in bestehende Luftverteidigungsarchitekturen einzubinden.

Ergänzend dazu meldete das Gemeinschaftsunternehmen Rheinmetall ICEYE Space Solutions am 6. Oktober einen Meilenstein für die Bundeswehr. Die deutschen Streitkräfte erhalten im Rahmen des SPOCK-1-Programms direkten und exklusiven Zugriff auf mehrere SAR-Aufklärungssatelliten und können diese eigenständig beauftragen. Gleichzeitig startete am Standort Neuss die eigene Satellitenproduktion für diese Radarsysteme.

Auch bei gepanzerten Fahrzeugen treibt der Konzern die Automatisierung voran. Rheinmetall Defence Australia vereinbarte am 6. Oktober eine Zusammenarbeit mit Breaker zur Integration von Mensch-Maschine-Kollaborationen. Nach einer erfolgreichen Demonstration auf der Boxer-Plattform soll die Technologie weiter für den Gefechtseinsatz angepasst werden.

Ausbau der europäischen Kapazitäten

Parallel zu den technologischen Initiativen erweitert Rheinmetall seine industrielle Basis im Norden Europas. Am 1. Oktober eröffnete die Tochtergesellschaft Rheinmetall Nordic einen neuen Standort im norwegischen Skoppum. Die Anlage umfasst 4.579 Quadratmeter Bruttogeschossfläche für Entwicklung, Produktion und Systemintegration. Zum Start nahmen dort 100 Mitarbeitende die Arbeit auf, ausgelegt ist das Areal für bis zu 127 Beschäftigte.

Um den operativen Spielraum für die Expansion abzusichern, erneuerte das Unternehmen vor gut einer Woche seine syndizierte Kreditlinie vorzeitig und verdoppelte das Volumen auf 1,5 Milliarden Euro. Die Mittel stehen für allgemeine Unternehmenszwecke zur Verfügung.

Zurückhaltung am Markt vor den Quartalszahlen

An der Börse spiegeln sich diese Schritte bislang kaum wider. Die Rheinmetall-Aktie ging am Freitag bei 935,30 Euro aus dem Xetra-Handel. Seit Jahresanfang summiert sich der Kursrückgang auf 40 Prozent, womit das Papier nur knapp 3,6 Prozent über seinem 52-Wochen-Tief notiert.

Am Markt gehen die Meinungen über das mittelfristige Potenzial auseinander. Berenberg stufte die Aktie am Freitag auf „Hold“ ab und senkte das Kursziel auf 1.020 Euro. Analyst George McWhirter begründete dies mit Unsicherheiten bei den mittelfristigen Wachstumsaussichten und verwies auf den Bedarf an weiteren Großaufträgen.

Dagegen hält Bernstein Research an der Einstufung „Outperform“ mit einem Kursziel von 1.200 Euro fest. Analyst Adrien Rabier verwies auf den anstehenden Kapitalmarkttag im November sowie auf eine erwartete Bestellung des Systems Arminius. Klarheit über die aktuelle Geschäftsentwicklung erhalten Anleger am 5. November, wenn Rheinmetall die Quartalszahlen für das dritte Quartal vorlegt.