Rheinmetall verkauft seine letzte zivile Sparte und zeigt gleichzeitig auf der ILA Berlin, wohin die Reise geht. Der Konzern setzt alles auf Verteidigung — und hat dabei einen Auftragsbestand von 73 Milliarden Euro im Rücken.

Power Systems geht für 350 Millionen Euro

Am 3. Juni 2026 unterzeichnete Rheinmetall den Verkauf der Power Systems Division an die Industriegruppe AEQUITA. Der vorläufige Kaufpreis liegt bei 350 Millionen Euro für alle Anteile. Die Sparte erzielte 2025 rund zwei Milliarden Euro Umsatz und beschäftigt rund 6.250 Mitarbeiter — sie wechselt vollständig den Eigentümer.

Der Abschluss steht noch unter Behördenvorbehalt und wird im vierten Quartal 2026 erwartet. Damit trennt sich Rheinmetall endgültig von seiner industriellen Vergangenheit. Künftig bleibt nur das Verteidigungsgeschäft.

Drohnen, Minenräumer, Kampfjet

Auf der ILA in Berlin präsentiert Rheinmetall bis zum 14. Juni seine neue Kamikaze-Drohne FV-014. Das System wiegt rund 20 Kilogramm, fliegt bis zu 70 Minuten und erreicht Ziele in bis zu 100 Kilometern Entfernung. Ein Bediener kann damit mehrere Drohnen im Schwarm steuern. Im April schloss Rheinmetall bereits einen Rahmenvertrag im Milliarden-Euro-Bereich mit der Bundeswehr für dieses System.

Nächste Woche folgt die Eurosatory in Paris. Dort zeigt Rheinmetall den unbemannten Minenräumer „MV-8 Komodo“ — entwickelt gemeinsam mit dem kroatischen Hersteller DOK-ING, an dem der Konzern 51 Prozent hält.

Hinzu kommt eine Partnerschaft mit Boeing Australia. Rheinmetall übernimmt die Rolle des Systemmanagers in Deutschland für das unbemannte Kampfflugzeug MQ-28 Ghost Bat. Der Konzern integriert das Gerät in Bundeswehr-Systeme, passt es an nationale Anforderungen an und sichert den laufenden Betrieb.

Starke Auftragslage, schwacher Kurs

Das operative Bild ist robust. Im ersten Quartal 2026 stieg der Umsatz um 8 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis legte um 17 Prozent auf 224 Millionen Euro zu. Die Jahresprognose bestätigte der Vorstand.

Der Kurs erzählt eine andere Geschichte. Die Aktie notiert bei 1.208,60 Euro — knapp 40 Prozent unter dem September-Hoch von 1.995 Euro. Seit Jahresbeginn liegt das Minus bei rund 25 Prozent.

Am 6. August legt Rheinmetall den Halbjahresbericht vor. Dann zeigt sich, ob der Konzern die Profitabilität im zweiten Quartal weiter ausgebaut hat — und ob die Bewertungslücke zum Auftragsbestand kleiner wird.