Rheinmetall baut sein Arsenal aus. Der Rüstungskonzern drängt massiv in den Weltraum. Auf der Berliner Luftfahrtmesse ILA präsentierte das Management eine neue Allianz für satellitengestützte Aufklärung. Damit will das Unternehmen eine unabhängige Infrastruktur für Deutschland schaffen.

Souveräne Daten aus dem All

Im Zentrum der Strategie steht das Joint Venture RISS. Rheinmetall hält daran 60 Prozent der Anteile. Den Rest kontrolliert der Satellitenbetreiber ICEYE. Gemeinsam bauen sie ein Netzwerk auf, das kritische Aufklärungsdaten in Echtzeit liefert. In modernen Konflikten entscheidet die Unabhängigkeit von ausländischen Anbietern.

Dafür holt Rheinmetall vier Partner aus dem „NewSpace“-Sektor an Bord:
* Reflex Aerospace (Satellitenplattformen)
* OroraTech (Thermalsensorik)
* ConstellR (Hochauflösende Infrarot-Daten)
* LiveEO (KI-basierte Geodaten-Analyse)

Abschied vom Zivilgeschäft

Parallel dazu trennt sich das Management von alten Strukturen. Rheinmetall verkauft die zivile Sparte Power Systems an die Industriegruppe Aequita. Das Ziel: Kapazitäten freimachen. Der Konzern will sich komplett auf autonome Systeme, Weltraumsensorik und klassische Rüstung konzentrieren. Rheinmetall positioniert sich als Komplettanbieter für Land, Luft, See und Weltraum.

Skepsis an der Börse

An der Börse verpufft die technologische Offensive bisher. Seit Januar verlor die Aktie fast ein Viertel ihres Wertes. Am Donnerstag notiert das Papier bei 1.211,60 Euro. Das bedeutet zwar ein leichtes Tagesplus von 1,46 Prozent. Der Abstand zum Rekordhoch vom vergangenen September bleibt mit knapp 40 Prozent aber gewaltig.

Zusätzlicher Gegenwind kommt von Analystenseite. Morgan Stanley stufte kürzlich die gesamte europäische Rüstungsbranche auf „Equal-weight“ ab. Die Experten sehen eine nachlassende Dynamik bei den Gewinnrevisionen. Langfristig treiben steigende Verteidigungsausgaben das Wachstum zwar weiter an. Kurzfristig fehlt Anlegern aber offenbar die Fantasie.

Technisch bewegt sich die Aktie im Niemandsland. Mit einem RSI von 44,1 ist der Titel weder überkauft noch überverkauft. Der Abstand zur wichtigen 200-Tage-Linie bei rund 1.607 Euro signalisiert einen klaren Abwärtstrend. Erst wenn der Kurs diesen Widerstand bricht, hellt sich das Chartbild wieder nachhaltig auf.