Rheinmetall hat am Freitag die Marke von 950 Euro wieder etwas deutlicher hinter sich gelassen. Die Aktie stieg um 1,17 % auf 956,90 Euro. Für die charttechnische Einordnung bleibt das Kursniveau allerdings problematisch. Der GD100 liegt rund 13,9 % über dem aktuellen Kurs, beim GD200 beträgt der Abstand sogar 29,4 %. Von den früheren Höchstständen ist der Titel damit weiterhin weit entfernt.
Dabei sind die operativen Wachstumsziele weiterhin groß. Rheinmetall erwartet für 2026 einen Umsatz von 13,7 bis 14,2 Milliarden Euro. Die operative Marge soll etwa 19 % erreichen. Zum Vergleich erzielte der Konzern 2025 einen Umsatz von 9,94 Milliarden Euro bei einer Marge von 18,5 %. Bis 2030 hält Rheinmetall sogar einen Umsatz von bis zu 50 Milliarden Euro für möglich.
Dafür steht ein Auftragsbestand von mehr als 80 Milliarden Euro zur Verfügung. Allerdings müssen die Bestellungen erst über zusätzliche Produktionskapazitäten abgearbeitet werden. Genau dieser Ausbau bindet Kapital und verlängert den Weg vom Auftrag bis zum tatsächlichen Umsatz.
Großauftrag soll hier Erleichterung bringen
Ein weiterer Großauftrag könnte im Dezember hinzukommen. Rheinmetall bewirbt sich gemeinsam mit KNDS um das Bundeswehr-Projekt Arminius. Das Vorhaben könnte mehr als 40 Milliarden Euro wert sein. Die Vergabeentscheidung wird im Dezember erwartet.
Finanziell zeigt sich gleichzeitig eine andere Seite des Wachstums. Im zweiten Quartal war der Free Cashflow negativ. Rheinmetall begründete den Mittelabfluss unter anderem mit dem Aufbau von Vorräten für kommende Aufträge. Hohe Zinsen erhöhen bei langfristigen und umfangreichen Projekten zusätzlich die Finanzierungskosten.
Auch die Bewertung hat sich seit dem Kursrekord stark verändert. Im laufenden Jahr hatte die Aktie zeitweise mehr als 1.920 Euro erreicht, während die Marktkapitalisierung damals über 70 Milliarden Euro lag. Heute beträgt der Börsenwert weniger als 50 Milliarden Euro. Bei einem erwarteten Nettogewinn von rund 1,6 Milliarden Euro ergibt sich weiterhin ein KGV von ungefähr 30.
Die Analysten rechnen allerdings mit deutlich höheren Kursen. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei etwa 1.600 Euro. Von 956,90 Euro aus entspricht das einem möglichen Abstand von rund 67 %. Für die nächste größere Neubewertung steht nun unter anderem die Arminius-Entscheidung im Dezember im Kalender.
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