Rheinmetall steht am Wochenende im Fokus einer kritischen Bewertung des eigenen Auftraggebers. Interne Dokumente des Beschaffungsamts BAAINBw werfen dem Konzern erhebliche Verzögerungen und Qualitätsmängel bei zwei Großprojekten vor, wie am Freitag berichtet wurde.

Betroffen sind der Flugabwehrpanzer „Skyranger 30“ mit einem Verzug von rund fünf Monaten sowie der „Schwere Waffenträger Infanterie“, bei dem der Rückstand laut Vertrag mindestens elf Monate beträgt.

Rheinmetall bestätigte die Verzögerung beim Skyranger-30-Programm bereits am Donnerstag selbst, führte den Verzug jedoch auf Kundenwünsche zur Modulanpassung zurück.

Die Serienauslieferung solle demnach planmäßig 2027 und 2028 abgeschlossen werden – nur eben fünf Monate später als ursprünglich vorgesehen. Diese Erklärung deckt sich mit der Darstellung des Unternehmens, während das Beschaffungsamt die Verzögerungen als eigenständigen Kritikpunkt einstuft.

Auftragslage bleibt robust

Parallel zur Kritik an den Lieferzeiten meldet Rheinmetall weiterhin neue Geschäfte. Das BAAINBw hat 149 mobile Rettungsstationen aus einem Rahmenvertrag von 2024 abgerufen, der Auftragswert liegt bei über 500 Millionen Euro brutto.

Zudem beauftragten die dänischen Streitkräfte das Unternehmen mit der Lieferung des Schiffsschutzsystems MASS für Fregatten der Absalon- und Iver-Huitfeldt-Klasse, ein Auftrag im zweistelligen Millionenbereich mit Auslieferungsbeginn 2027.

Diese Auftragseingänge stehen im Kontrast zu den im Sommer bekannt gewordenen Zahlen: Im zweiten Quartal 2026 steigerte Rheinmetall den Umsatz um 69,8 Prozent auf 3,289 Milliarden Euro, das operative Ergebnis legte um 115 Prozent auf 562 Millionen Euro zu.

Gleichzeitig senkte der Konzern die Jahresumsatzprognose 2026 wegen zeitlicher Verschiebungen bei Großprojekten – ein Hinweis darauf, dass die nun öffentlich gewordene Kritik des Beschaffungsamts keine völlig neue Entwicklung darstellt, sondern bereits in der eigenen Prognoserevision angelegt war.

Analysten uneins über weiteren Kurs

Die Einschätzungen der Analysten fallen am Freitag gemischt aus. JPMorgan-Analyst David Perry bestätigte sein Rating „Neutral“ mit einem Kursziel von 1.350 Euro und verwies dabei auf wachsende Unsicherheiten beim Auftragsbestand zum Jahresende sowie reduzierte Umsatzprognosen für den Zeitraum 2027 bis 2030. Warburg Research bestätigte am selben Tag die Einstufung „Buy“, ohne ein neues Kursziel zu nennen.

Am Kapitalmarkt zeigt sich die Aktie von den jüngsten Meldungen wenig beeindruckt: Der Schlusskurs vom Freitag lag bei 1.156,40 Euro, ein Minus von 0,3 Prozent gegenüber dem Vortag. Auf Wochensicht steht ein Rückgang von 4,0 Prozent zu Buche, während sich das Papier binnen 30 Tagen um 14 Prozent erholt hat.

Seit Jahresbeginn bleibt die Aktie mit einem Minus von 26 Prozent deutlich im roten Bereich, der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 2.007,00 Euro aus dem Oktober beträgt derzeit 42 Prozent.

Die divergierenden Signale – kritische Beschaffungsdokumente auf der einen, neue Millionenaufträge auf der anderen Seite – dürften die Diskussion um die Bewertung des Rüstungskonzerns bis zur nächsten Quartalsmitteilung am 5. November prägen. Bis dahin bleibt offen, ob die operativen Verzögerungen die langfristige Wachstumsstory belasten oder ob sich die Auftragsdynamik als tragfähiger erweist als die kurzfristigen Lieferprobleme.