Rheinmetall will Treibstoff künftig dort herstellen, wo er gebraucht wird. Dafür holt sich der Düsseldorfer Konzern den norwegischen Elektrolysespezialisten NEL ins Boot. Beide Unternehmen haben eine Absichtserklärung unterzeichnet, um die dezentrale Produktion synthetischer Kraftstoffe aus erneuerbarem Wasserstoff auszuloten.
Was die Partner prüfen
NEL steuert seine Elektrolyse-Technologie bei, Rheinmetall das Konzept „Giga PtX“ sowie Erfahrung in Systemintegration und strategischer Infrastruktur. Geplant sind modulare Anlagen, die Diesel, Schiffsdiesel oder Kerosin nahe am späteren Verbrauchsort erzeugen.
Als Abnehmer sehen die Partner Streitkräfte und Betreiber kritischer Infrastruktur. Der synthetische Kraftstoff soll konventionellen ersetzen, ohne dass Fahrzeuge oder Aggregate umgerüstet werden müssen.
Norwegen dient als Startpunkt. Das Land betreibt nur eine einzige Raffinerie und ist bei veredelten Produkten teilweise auf Infrastruktur im Ausland angewiesen. Die Zusammenarbeit ist geografisch jedoch nicht darauf beschränkt.
Beide Seiten wollen nun Standorte, Infrastrukturbedarf, Zugang zu erneuerbarem Strom, nachhaltige Kohlenstoffquellen und konkrete Anwendungsfälle bewerten. Auch Pilotprojekte sind denkbar.
Ein Konzept mit mehreren Partnern
Die Vereinbarung ist nicht bindend. Bestellungen, Volumina oder einen Zeitplan nennen die Unternehmen nicht. Für Rheinmetall ist NEL zudem nicht der einzige Elektrolysepartner: Mit Giga PtX plant der Konzern ein europaweites Netz aus mehreren hundert Modulen, die jeweils 5.000 bis 7.000 Tonnen Kraftstoff pro Jahr erzeugen sollen.
Sunfire gehört dem Konsortium bereits an, im April kam ITM Power mit Fokus auf Großbritannien hinzu. Die aktuelle Mitteilung spricht entsprechend von Bündnissen mit lokalen Champions für einzelne Märkte.
Erste Anlagen will Rheinmetall realisieren, sobald die politischen und regulatorischen Rahmenbedingungen feststehen.
Wer stärker profitiert
An der Börse reagierte vor allem der kleinere Partner. NEL legte vorbörslich zeitweise um gut sieben Prozent zu, die Rheinmetall-Aktie bewegte sich im Tagesverlauf nur leicht im Plus. Das überrascht kaum: Für den Rüstungskonzern ist die Absichtserklärung ein Baustein unter vielen, für NEL hingegen eine mögliche neue Absatzperspektive. Die Norweger kämpfen mit rückläufigem Umsatz und schrumpfender Liquidität.
Der nächste konkrete Datenpunkt folgt am Donnerstag. Dann legt NEL den Bericht zum dritten Quartal vor, und die Partner dürften zeigen, ob sie die Kooperation konkreter fassen können als in der unverbindlichen Absichtserklärung.
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