Rheinmetall treibt seine internationale Aufstellung mit gleich mehreren Projekten voran. Im Mittelpunkt steht die Kooperation mit Mercedes-Benz UK unter dem Namen Team Wolf, die am heutigen Donnerstag auf der Fachmesse DVD 2026 in Millbrook zwei neue Fahrzeuge vorstellte: Timber Wolf und Silver Wolf ergänzen die bereits bekannten Modelle Shadow Wolf und Caracal.
Basis ist die G-Klasse von Mercedes-Benz, gefertigt und integriert wird bei RBSL in Telford. Ziel des Bündnisses ist ein britischer Wertschöpfungsanteil von bis zu 50 Prozent, eingebunden werden sollen 30 britische Zulieferer, der Support ist auf mehr als 20 Jahre angelegt.
Parallel dazu baut Rheinmetall UK seine Testkapazitäten aus: In Telford eröffnete das Unternehmen eine neue Vibrationstestanlage, die Strukturen und Baugruppen bis 40 Tonnen prüfen kann und Bewegungen in drei Achsen – vertikal, Pitch und Roll – reproduziert. Sie soll vor allem die Entwicklung des Kampfpanzers Challenger 3 für die britische Armee unterstützen, langfristig aber auch für Luftfahrt, Automobilbau, Schienenverkehr und Energie zur Verfügung stehen.
Kanada als zweiter Wachstumspfeiler
Auch in Kanada expandiert der Konzern spürbar. Rheinmetall Canada erweitert sein Werk in Saint-Jean-sur-Richelieu in Québec anlässlich seines 40-jährigen Bestehens um mehr als 7.000 Quadratmeter Produktions- und Lagerfläche. Die zusätzlichen Kapazitäten sind für autonome Bodensysteme wie PATH und Mission Master vorgesehen.
Seit 2024 hat Rheinmetall dort bereits über 150 Millionen kanadische Dollar investiert und arbeitet mit einer Lieferkette von fast 1.000 kleinen und mittleren Unternehmen zusammen, davon 600 allein in Québec. Der wirtschaftliche Nutzen des Engagements wird auf mehr als 1,5 Milliarden kanadische Dollar beziffert.
Diese Investitionen fügen sich in eine breitere Kapazitätsstrategie, die Vorstandschef Armin Papperger am heutigen Donnerstag skizzierte. Er verwies auf weiterhin bedenklich knappe Raketenbestände sowie Engpässe bei Raketenmotoren und Gefechtsköpfen.
Die Serienlieferung des Flugabwehrsystems Skyranger soll vertragsgemäß 2027 beginnen, mit nur minimalen Verzögerungen; ab Ende desselben Jahres soll die Kapazität auf bis zu 400 Einheiten pro Jahr steigen.
Gemeinsame Projekte mit Lockheed Martin im Bereich Artillerieraketen sowie mit Destinus bei Marschflugkörpern befinden sich laut Papperger in der Endphase, ein erster Auftrag für Cruise Missiles wird für Ende 2026 oder Anfang 2027 erwartet.
Personalaufbau und Produktionsziele
Um diese Wachstumspläne zu stemmen, will Rheinmetall die Belegschaft von aktuell 34.000 auf 70.000 Beschäftigte bis 2030 verdoppeln, hinzu kommen weitere 210.000 Arbeitsplätze in der Lieferkette.
Bei der Artilleriemunition strebt der Konzern eine Steigerung von 70.000 auf 1,5 Millionen Schuss an, bei Mittelkalibermunition von unter einer Million auf vier Millionen. Insgesamt sieht das Investitionsprogramm 30 Milliarden Euro über sechs Jahre vor.
An der Börse reagierten die Aktien der Branche am Donnerstag uneinheitlich: Während Rheinmetall zeitweise leicht zulegte, gaben RENK und HENSOLDT nach, TKMS notierte fester.
Der aktuelle Kurs von Rheinmetall liegt bei 1.019,40 Euro und damit rund 6 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 1.088,28 Euro – ein Zeichen dafür, dass der jüngste Kursrückgang der vergangenen Wochen trotz der operativen Fortschritte noch nicht ausgeglichen ist.
Der Analystenkonsens bleibt gleichwohl optimistisch und bewertet die Aktie mehrheitlich mit Kaufempfehlungen bei einem mittleren Kursziel von 1.706 Euro.
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