Bank of America hat Rio Tinto von „Buy“ auf „Neutral“ abgestuft. Der Auslöser ist klar: Die Bewertung wirkt aus Sicht der Analysten inzwischen ausgereizt, während China als wichtigster Nachfragefaktor an Kraft verliert.
Der Titel reagiert trotzdem nicht panisch. In Frankfurt kostet die Aktie derzeit 90,88 Euro. Auf Sicht von zwölf Monaten liegt sie noch immer 65,45 Prozent im Plus, zuletzt hat sie aber binnen 30 Tagen 13,10 Prozent abgegeben.
China bleibt der Hebel
BofA verweist vor allem auf das chinesische Kreditumfeld. Das ist für Rio Tinto entscheidend, weil China rund die Hälfte der gesamten Metalldemand des Konzerns ausmacht. Wenn dort der Zugang zu Krediten enger wird, kühlt das oft Bau- und Industrienachfrage ab.
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Genau das setzt Rio Tinto bereits unter Druck. Im Quartal bis Juni gingen die Eisenerzverschiffungen um rund 1 Prozent auf 79,1 Millionen Tonnen zurück. Der Konzern macht dafür die langsamere wirtschaftliche Erholung in China und den anhaltenden Stress im Immobiliensektor verantwortlich.
Starkes Jahr, aber höhere Ansprüche
Die Aktie hat 2026 dennoch eine kräftige Rally hingelegt. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 31,25 Prozent zu Buche. Der Kurs liegt damit nur 1,85 Prozent über der 50-Tage-Linie, aber deutlich über dem 200-Tage-Durchschnitt von 71,74 Euro.
BofA hält das Kursziel trotzdem bei 9.300 Pence. Die Botschaft dahinter: Nicht das Unternehmen selbst steht plötzlich schlechter da, sondern die Latte liegt nach dem starken Lauf einfach höher. Das Bewertungsniveau ist aus Sicht der Bank inzwischen anspruchsvoll.
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Produktion läuft, Prognose wird enger
Operativ meldete Rio Tinto zuletzt einen symbolträchtigen Meilenstein. Aus der Pilbara-Region verschiffte der Konzern die 8-milliardste Tonne Eisenerz. Die Lieferung ging am 19. Mai an Nippon Steel.
Beim Ausblick wird das Bild vorsichtiger. Für Eisenerz bleibt Rio Tinto zwar in der oberen Hälfte der Spanne von 320 bis 335 Millionen Tonnen. Bei Alumina senkte der Konzern die Prognose auf 7,4 bis 7,7 Millionen Tonnen, bei Kupfer auf 160.000 bis 190.000 Tonnen.
Auch strategisch bleibt Bewegung drin. Rio Tinto treibt Gespräche zum Simandou-Projekt in Guinea voran und prüft eine Aufstockung beim Kupferprojekt Los Azules in Argentinien. Der Markt schaut jetzt vor allem darauf, ob sich die chinesische Nachfrage stabilisiert oder der Bewertungsdruck noch länger anhält.
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