Rio Tinto hat am Freitag ein vorläufiges Abkommen mit der Yinhawangka Aboriginal Corporation unterzeichnet – ein Schritt, der die Beziehung zwischen dem Bergbauriesen und den Ureinwohnern Australiens auf ein neues Fundament stellt. Die Vereinbarung markiert einen Paradigmenwechsel im Umgang mit kulturellem Erbe und könnte zum Vorbild für die gesamte Branche werden.

Das Interim Modernised Agreement baut auf einem bestehenden Vertrag aus dem Jahr 2013 auf und führt erstmals ein Co-Management-Modell ein. Konkret bedeutet das: Die Yinhawangka werden künftig deutlich früher und intensiver in die Minenplanung eingebunden. Schlüsselentscheidungen zum Schutz kultureller Stätten und zum Umweltmanagement treffen beide Seiten gemeinsam.

Aufarbeitung nach Juukan-Desaster?

Der Hintergrund dieser Vereinbarung dürfte nicht zu übersehen sein. Rio Tinto steht seit der Zerstörung der Juukan Gorge-Felshöhlen im Jahr 2020 unter massivem Druck. Die damalige Sprengung zweier heiliger Aborigine-Stätten sorgte international für Empörung und führte zu einer parlamentarischen Untersuchung. Das Image des Konzerns erlitt erheblichen Schaden.

Die Yinhawangka leben primär in der eisenerzreichen Pilbara-Region in Western Australia – einem Gebiet, das für Rio Tintos Geschäft von zentraler Bedeutung ist. Mit dem neuen Abkommen erhalten sie erstmals das Recht, jederzeit Bedenken zu ihrem Land, der Umwelt oder kulturellem Erbe zu äußern. Ein gemeinsames Komitee soll künftig bei neuen Projekten und größeren operativen Veränderungen zusammenarbeiten.

Vorbereitung auf finales Abkommen 2026

Das jetzt unterzeichnete Interim Agreement ist rechtlich bindend und soll als Grundlage für ein umfassendes modernisiertes Abkommen dienen, das beide Parteien bis 2026 finalisieren wollen. Die Vereinbarung umfasst auch dedizierte Finanzmittel, um die Yinhawangka bei der aktiven Teilnahme am Co-Management zu unterstützen.

Robyn Hayden, Vorsitzende der Yinhawangka Aboriginal Corporation, betonte, dass Bergbau auf ihrem Land stets schwierige Entscheidungen mit sich bringe. Die Yinhawangka müssten im Zentrum dieser Entscheidungen stehen. Matthew Holcz, Chef von Rio Tinto Iron Ore, sprach von einem wichtigen Schritt in der fortlaufenden Partnerschaft und betonte Respekt, Transparenz und gemeinsame Verantwortung.

Für Rio Tinto geht es um mehr als nur um gute PR. Die soziale Akzeptanz von Minenprojekten ist in Australien zu einem entscheidenden Faktor geworden. Verzögerungen oder Blockaden durch indigene Gemeinschaften können Millionen kosten. Mit dem neuen Modell hofft der Konzern, künftige Konflikte zu vermeiden und gleichzeitig sein ramponiertes Image zu reparieren.