Robotaxi, Rüstung, Restrukturierung — fünf Auto-Aktien zwischen Aufbruch und Krise

Deutz überzeugt mit Rekordquartal, Mercedes erwägt Rüstungseinstieg, XPeng startet Robotaxi-Serienproduktion.

Deutz AG Aktie
Kurz & knapp:
  • Deutz mit Rekordquartal und MDAX-Aufstieg
  • Mercedes signalisiert Bereitschaft für Rüstungsproduktion
  • XPeng startet Serienproduktion von Robotaxis
  • Stellantis kündigt milliardenschwere US-Investitionen an

Während XPeng das erste in Serie gefertigte Robotaxi vom Band rollen lässt, liebäugelt Mercedes-Benz mit Militärtechnik. Und Elon Musk verspricht erneut fahrerlose Teslas in ganz Amerika. Fünf Unternehmen, fünf radikal unterschiedliche Strategien — die Woche liefert ein Panorama der Automobilbranche im Umbruch.

Deutz AG: Rekordquartal und MDAX-Aufstieg

Deutz hat sich zuletzt als stiller Gewinner der Branche etabliert. Die Zahlen zum ersten Quartal 2026 unterstreichen das eindrucksvoll: Der Auftragseingang kletterte um 41,2 % auf 771 Mio. Euro, der Umsatz legte um 8,4 % auf 530 Mio. Euro zu. Besonders bemerkenswert ist die Gewinnentwicklung — vom Nettoverlust von 10 Mio. Euro im Vorjahr schwang das Ergebnis auf einen Gewinn von 21,8 Mio. Euro um.

Der bereinigte EBIT stieg um 45,7 % auf 37,3 Mio. Euro, die Marge verbesserte sich von 5,2 % auf 7,0 %. Kein Wunder, dass das Unternehmen vom SDAX in den MDAX aufgestiegen ist.

Besonders das Segment Defense & Other verdient Aufmerksamkeit. Mit einer Marge von 13,1 % arbeitet die Sparte deutlich profitabler als das Kerngeschäft. Die Übernahme von SOBEK — spezialisiert auf elektrische Antriebe für Drohnen, Motorsport und Luftfahrt — positioniert Deutz an der Schnittstelle zwischen klassischer Industrie und Verteidigungstechnik.

Analysten haben reagiert: Ein Kursziel wurde auf 14 Euro angehoben, ein weiteres liegt bei 12,90 Euro. Der Konsens lautet „Kaufen“. Bei aktuell 9,78 Euro — rund 22 % unter dem 52-Wochen-Hoch — sehen die Experten also erhebliches Aufholpotenzial. Die Jahresprognose mit einem Umsatzziel von 2,3 bis 2,5 Mrd. Euro und einer bereinigten EBIT-Marge von 6,5 bis 8,0 % steht unverändert.

  • Auftragseingang Q1: +41,2 % auf 771 Mio. €
  • Bereinigte EBIT-Marge: 7,0 % (Vorjahr: 5,2 %)
  • Analysten-Konsens: Kaufen, Kursziel bis zu 14 €
  • Erwartetes EPS-Wachstum: +153 % über die nächsten zwei Jahre

Mercedes-Benz: Vom Stern zum Schild?

Die überraschendste Nachricht der Woche kommt aus Stuttgart. CEO Ola Källenius hat erstmals öffentlich Bereitschaft signalisiert, in die Rüstungsproduktion einzusteigen. „Die Welt ist unberechenbarer geworden“, sagte Källenius dem Wall Street Journal. „Wenn wir eine positive Rolle dabei spielen können, Europas Verteidigungsfähigkeiten zu stärken, sind wir bereit.“

Die Argumentation: Mercedes beherrscht die Serienproduktion hochpräziser Maschinen — eine Kompetenz, die sich auf militärische Hardware übertragen lasse. Noch handelt es sich um eine „wachsende Nische“, die nur einen „vernachlässigbaren Anteil“ am Gesamtportfolio ausmachen würde. Offizielle Projekte gibt es bislang nicht.

Der Zeitpunkt des Vorstoßes ist kein Zufall. Das Kerngeschäft steht unter erheblichem Druck. Im ersten Quartal 2026 sanken die Auslieferungen im Pkw-Segment um 6 % auf 419.400 Fahrzeuge — allein in China brachen die Verkäufe um 27 % ein. Für das Gesamtjahr erwartet das Management weitere Rückgänge auf dem chinesischen Markt, nachdem dort 2025 bereits ein Minus von 19 % zu Buche stand.

Auch die Bilanz des Vorjahres fällt ernüchternd aus: Der operative Gewinn sank 2025 um 57 % auf 5,8 Mrd. Euro. Belastend wirkten milliardenschwere US-Zollkosten, ungünstige Wechselkurse und der verschärfte Wettbewerb in China.

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Die Aktie notiert bei 49,88 Euro — knapp 20 % unter Jahresbeginn und nahe dem 52-Wochen-Tief. Analysten vergeben überwiegend „Halten“-Ratings (18 von 24), das durchschnittliche Kursziel liegt bei rund 60 Euro. Die Kluft zwischen Kursziel und aktuellem Kurs ist groß, aber die Begründung für eine Neubewertung fehlt bislang.

XPeng: Chinas Robotaxi-Pionier produziert in Serie

Was Tesla seit Jahren ankündigt, hat XPeng in dieser Woche umgesetzt. Am 18. Mai rollte in Guangzhou das erste in Serie gefertigte Robotaxi vom Band. Das Fahrzeug basiert auf der GX-Plattform und wurde vollständig mit hauseigener Technologie entwickelt — bis hin zu vier selbst konzipierten Turing-KI-Chips mit einer Rechenleistung von 3.000 TOPS. Autonomes Fahren auf Level 4 ist der Anspruch.

XPeng plant, den Pilotbetrieb im zweiten Halbjahr 2026 aufzunehmen. Bis Anfang 2027 sollen die Fahrzeuge komplett ohne Sicherheitsbegleitung unterwegs sein.

Parallel treibt das Unternehmen die Internationalisierung voran. Mit dem Erwerb einer Mehrheitsbeteiligung an der indonesischen PT Era Industri Otomotif sichert sich XPeng einen Produktionsstandort in Südostasien. Die Auslandsauslieferungen übertrafen 2025 bereits 45.000 Einheiten — ein Plus von 96 %. Für 2026 hat das Unternehmen das Ziel auf 90.000 Fahrzeuge verdoppelt.

Die Aktie erzählt allerdings eine andere Geschichte. Bei 12,94 Euro notiert XPeng praktisch auf dem 52-Wochen-Tief und hat seit Jahresanfang rund 26 % verloren. Analysten sehen das anders: Der Konsens lautet „Kaufen“ mit einem durchschnittlichen Kursziel von umgerechnet rund 24 Dollar. Die Quartalszahlen, die morgen vor Börsenstart veröffentlicht werden, dürften Klarheit schaffen, ob die Investitionen in Robotaxi und Auslandsexpansion die Margen belasten.

Tesla: Große Versprechen, kleine Flotte

Elon Musk hat auf dem Smart Mobility Summit in Tel Aviv erneut eine landesweite Ausbreitung fahrerloser Teslas in Aussicht gestellt. „Wir haben bereits einige Fahrzeuge ohne Insassen und ohne Sicherheitsmonitore in drei Städten in Texas im Einsatz“, sagte Musk. Der Service solle bis Jahresende „weitverbreitet“ in den USA sein.

Die Realität sieht nüchterner aus. Teslas unbemannte Flotte umfasst derzeit etwa 30 Fahrzeuge in Austin, Dallas und Houston. In Dallas und Houston sind es jeweils nur fünf beziehungsweise sechs Autos. Von 30 Fahrzeugen in drei texanischen Städten auf eine flächendeckende US-Präsenz in sieben Monaten — dafür gibt es bislang keine belastbare Grundlage.

Beim Earnings Call zum ersten Quartal verschob Musk den Start von Unsupervised FSD für Privatfahrzeuge auf frühestens das vierte Quartal 2026. Komplexe Kreuzungen, schlechte Fahrbahnmarkierungen und Wetterprobleme bremsten den Fortschritt. Hinzu kommt ein Rückruf von 218.868 Fahrzeugen wegen verzögerter Rückfahrkamerabilder.

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Finanziell bleibt Tesla stark. Die Bruttomarge im Automobilsegment verbesserte sich auf 19,2 %, im Energiespeichergeschäft erreichte sie einen Rekord von 39,5 %. Für 2026 plant das Unternehmen Investitionsausgaben von über 25 Mrd. Dollar für den Ausbau von Fabriken, KI-Infrastruktur sowie die Einführung von Robotaxi und Optimus.

Die Aktie pendelt bei 351,55 Euro — knapp 6 % unter dem Jahresstartkurs. Das Analystenlager ist extrem gespalten: Die Kurszielspanne reicht von unter 25 bis 600 Dollar.

Stellantis: Operativer Turnaround, aber Vertrauen fehlt

Bei Stellantis deutet sich eine operative Wende an, auch wenn die Aktie davon kaum profitiert. Im ersten Quartal 2026 kehrte der Konzern in die Gewinnzone zurück: Der Nettoumsatz stieg um 6 % auf 38,1 Mrd. Euro, der Nettogewinn lag bei 0,4 Mrd. Euro nach einem Verlust im Vorjahr.

Der industrielle Free Cashflow bleibt mit minus 1,9 Mrd. Euro allerdings negativ — ein Kernproblem, das Investoren verunsichert. Immerhin verbesserte sich der Wert um 37 % gegenüber dem ersten Quartal 2025. In Nordamerika lieferten neue und überarbeitete Modelle von Jeep, Ram und Dodge im vierten Quartal 2025 starke Impulse: Die Auslieferungen stiegen um 43 %, die Bestellungen sogar um fast 150 %.

Am Mittwoch steht der mit Abstand wichtigste Termin des Jahres an. Beim Investor Day in Auburn Hills wird CEO Antonio Filosa den neuen Strategieplan vorstellen. Bereits angekündigt: Investitionen von 13 Mrd. Dollar in den USA über die nächsten vier Jahre, fünf neue Fahrzeuge, 19 weitere Produktmaßnahmen und mehr als 5.000 neue Arbeitsplätze.

Die Aktie notiert bei 6,40 Euro — ein Minus von 34 % seit Jahresbeginn und fast 38 % unter dem 52-Wochen-Hoch. Analysten sehen im Schnitt ein Kursziel von 8,10 Euro, der Konsens lautet „Outperform“. Für 2026 fällt die Dividende wegen des Nettoverlusts 2025 aus.

Drei Spielarten des Überlebens

Was alle fünf Unternehmen eint: Das klassische Geschäftsmodell allein reicht nicht mehr. Die Antworten könnten unterschiedlicher nicht sein.

  • Autonomes Fahren als Wachstumsmotor: XPeng liefert Fakten, Tesla liefert Versprechen. Die Glaubwürdigkeitslücke zwischen beiden wächst mit jeder Ankündigung ohne entsprechende Skalierung.
  • Rüstung als zweites Standbein: Deutz erzielt dort bereits zweistellige Margen. Mercedes-Benz steht noch ganz am Anfang. Ob Verteidigung den schrumpfenden Autoabsatz kompensieren kann, bleibt fraglich — allein Deutschlands Automobilsektor erwirtschaftete 2024 über 540 Mrd. Euro Umsatz.
  • Klassische Restrukturierung: Stellantis setzt auf frische Modelle und milliardenschwere US-Investitionen. Der Investor Day am Mittwoch wird zum Lackmustest für das Vertrauen der Kapitalmärkte.

Entscheidende Tage für den Sektor

Die nächsten 48 Stunden bringen gleich zwei Katalysatoren: XPeng legt morgen Quartalszahlen vor, Stellantis präsentiert am Mittwoch den Strategieplan. Beide Termine haben das Potenzial, die jeweilige Bewertung grundlegend zu verschieben.

Für Tesla wird die zweite Jahreshälfte zur Bewährungsprobe. Jeder Monat ohne signifikante Skalierung des Robotaxi-Betriebs über Texas hinaus nagt an der Autonomie-These, die einen erheblichen Teil der Marktkapitalisierung von rund 1,6 Billionen Dollar rechtfertigen muss.

Die EU beschleunigt derweil die Rüstungsausgaben und drängt Mitgliedsstaaten zur Ausweitung der Produktion. Für Deutz und Mercedes-Benz ist dieser Rückenwind real — die Monetarisierung im großen Stil bleibt aber ein Mehrjahresprojekt. Die Kluft zwischen asiatischer EV-Dynamik und europäischer Industrietransformation war selten so sichtbar wie in dieser Woche.

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Über Felix Baarz 4532 Artikel
Mit über fünfzehn Jahren Erfahrung als Wirtschaftsjournalist hat sich Felix Baarz als Experte für internationale Finanzmärkte etabliert. Seine Leidenschaft gilt den Mechanismen globaler Finanzmärkte und komplexen wirtschaftspolitischen Zusammenhängen, die er für seine Leserschaft verständlich aufbereitet.In Köln geboren und aufgewachsen, entdeckte er früh sein Interesse für Wirtschaftsthemen und internationale Entwicklungen. Nach seinem Studium startete er als Wirtschaftsredakteur bei einer renommierten deutschen Fachpublikation, bevor ihn sein Weg ins Ausland führte.Ein prägendes Kapitel seiner Karriere waren die sechs Jahre in New York, wo er direkten Einblick in die globale Finanzwelt erhielt. Die Berichterstattung von der Wall Street und über weltweite wirtschaftspolitische Entscheidungen schärfte seinen Blick für globale Zusammenhänge.Heute ist Felix Baarz als freier Journalist für führende Wirtschafts- und Finanzmedien im deutschsprachigen Raum tätig. Seine Arbeit zeichnet sich durch fundierte Recherchen und präzise Analysen aus. Er möchte nicht nur Fakten präsentieren, sondern auch deren Bedeutung erklären und seinen Lesern Orientierung bieten – sei es zu wirtschaftlichen Trends, politischen Entscheidungen oder langfristigen Veränderungen in der Finanzwelt.Zusätzlich moderiert er Diskussionen und nimmt an Expertenrunden teil, um sein Wissen einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Dabei liegt sein Fokus darauf, komplexe Themen informativ und inspirierend zu vermitteln. Felix Baarz versteht seine journalistische Aufgabe darin, in einer sich schnell wandelnden Welt einen klaren Blick auf wirtschaftliche Zusammenhänge zu ermöglichen und seine Leser bei fundierten Entscheidungen zu unterstützen – beruflich wie privat.