Zwei Nachrichten, zwei Gesichter: Roche bremst in Deutschland die Investitionen, treibt aber in der Onkologie einen Hoffnungsträger voran. Der Wirkstoff Divarasib liefert Daten, die ihn im Rennen um die nächste Generation der KRAS-Hemmer weit nach vorn bringen.

Divarasib übertrifft Vergleichspräparate

Im Juli meldete die US-Tochter Genentech positive Ergebnisse der Phase-III-Studie Krascendo 1. Sie verglich Divarasib mit den bereits zugelassenen Mitteln Sotorasib und Adagrasib bei vorbehandelten Patienten mit KRAS-G12C-mutiertem nicht-kleinzelligem Lungenkrebs.

Die Studie erreichte ihren primären und die wichtigen sekundären Endpunkte. Divarasib verbesserte sowohl das progressionsfreie Überleben als auch das Gesamtüberleben statistisch signifikant.

Das ist bemerkenswert, weil Roche damit nicht gegen Chemotherapie, sondern gegen etablierte KRAS-Hemmer antrat. Der Kandidat wird zudem in der Erst- und Zweitlinientherapie bei soliden Tumoren geprüft.

Die Konkurrenz schläft allerdings nicht. Eli Lilly führt mit Olomorasib mehrere Phase-III-Studien und erhielt zuletzt im August eine weitere FDA-Einstufung als Therapiedurchbruch, diesmal bei Bauchspeicheldrüsenkrebs.

Merck treibt gemeinsam mit Taiho und Astex den Kandidaten Calderasib voran, der im Mai denselben Status für die Erstlinie beim Lungenkrebs bekam. Marktforscher erwarten, dass sich die Branche nach den G12C-Erfolgen als Nächstes auf KRAS G12D konzentriert.

Investitionen in Deutschland auf Hold

Weniger erfreulich ist die Lage im Heimatmarkt der Forschung. Deutschlandchef Daniel Steiners erklärte, Roche habe sämtliche künftigen Investitionsentscheidungen in Deutschland vorerst auf Eis gelegt. Auslöser sind die Sparvorgaben der Bundesregierung im Gesundheitswesen, darunter höhere Herstellerrabatte für die Krankenkassen. Die Politik habe im Pharmabereich viel Vertrauen zerstört, so Steiners.

Eine geplante Standortklausel könne die negativen Folgen des Gesetzes nur teilweise ausgleichen. Steiners lobte dagegen die Industriepolitik der USA, die Investitionen dort besonders einfach mache.

Die Äußerung fiel auf den Tag eines Investorengipfels in Berlin, bei dem Kanzler Friedrich Merz für den Standort wirbt. Roche beschäftigt in Deutschland mehr als 18.000 Menschen und baut den Standort Penzberg stark aus. Dass dieser Ausbau betroffen sein könnte, sagte Steiners nicht. Auch Eli Lilly und Boehringer Ingelheim hatten geplante Investitionen mit Verweis auf die Sparvorgaben gekürzt oder gestrichen.

Für Roche zählt am Ende die Pipeline: Mit den positiven Phase-III-Daten zu Divarasib hat der Konzern in der Onkologie ein belastbares Argument, während die Standortfrage in Deutschland von der Ausgestaltung der Standortklausel abhängt.