Eine der tückischsten Formen des Brustkrebses könnte behandelbarer werden als bisher gedacht. Neue Studiendaten, die maßgeblich auf Roche-Präparaten basieren, zeigen bei HER2-positivem Brustkrebs mit leptomeningealen Metastasen Ergebnisse, die bisherige Therapiestandards deutlich übertreffen.

Überlebenszeit mehr als verdoppelt

Im Mittelpunkt steht die Studie TBCRC049, durchgeführt am MD Anderson Cancer Center. Die Kombination aus Roches Antikörper Trastuzumab, dem Chemotherapeutikum Capecitabin und dem Tyrosinkinase-Inhibitor Tucatinib erzielte bei 17 Patientinnen ein medianes Gesamtüberleben von 10 Monaten — gegenüber dem historischen Vergleichswert von rund 4,4 Monaten. Noch auffälliger: 41 % der Teilnehmerinnen lebten 18 Monate nach Therapiebeginn noch.

Leptomeningeale Metastasen, bei denen Krebszellen die Hirnhäute befallen, galten bislang als kaum behandelbar. Ein zentrales Problem vieler Krebstherapien ist die Blut-Hirn-Schranke, die Wirkstoffe häufig nicht ausreichend überwinden können. Bei 7 von 12 auswertbaren Patientinnen verbesserten sich neurologische Defizite messbar — ein Hinweis, dass die Kombination genau dort wirkt.

Solide Basis, aber noch kein Zulassungskandidat

Die Nebenwirkungen — darunter Durchfall, Übelkeit und das Hand-Fuß-Syndrom — wurden als handhabbar eingestuft. Schwere Sicherheitssignale traten nicht auf. Dennoch: Die geringe Teilnehmerzahl und das Fehlen einer randomisierten Kontrollgruppe begrenzen die unmittelbare Zulassungsrelevanz. Die Daten liefern eine wissenschaftliche Grundlage für größere Folgestudien, mehr nicht.

Für Roche hat die Untersuchung trotzdem strategischen Wert. Trastuzumab und Capecitabin stehen bereits seit Jahren unter Druck durch Biosimilars und Generika. Neue Einsatzgebiete für etablierte Wirkstoffe verlängern deren klinische Relevanz — und könnten helfen, Marktanteile zu verteidigen. Die Aktie notiert aktuell rund 20 % unterhalb ihres 52-Wochen-Hochs und kämpft mit einem schwierigen Jahr. Positive Pipeline-Daten wie diese senden zumindest ein Signal, dass das onkologische Kerngeschäft weiter Substanz hat.