Der Schweizer Pharmakonzern Roche baut seine Entwicklungspipeline im Bereich von Stoffwechselerkrankungen aus. Das Unternehmen sicherte sich gestern von dem Biotechunternehmen Rona Therapeutics eine weltweite Exklusivlizenz für einen neuartigen Wirkstoffkandidaten auf Basis der RNA-Interferenz.
Im Zentrum der Vereinbarung steht ein Molekül, das auf den ALK7-Rezeptor abzielt. Dieser Rezeptor kommt überwiegend im Fettgewebe vor und gilt als Ansatzpunkt für die Behandlung von Adipositas sowie weiteren metabolischen Erkrankungen.
Die finanzielle Vereinbarung sieht vor, dass Roche eine sofortige Vorauszahlung in Höhe von 100 Millionen US-Dollar leistet. Zudem beinhaltet der Vertrag erfolgsabhängige Meilensteinzahlungen von bis zu 1,06 Milliarden US-Dollar sowie künftige gestaffelte Lizenzgebühren.
Für den Basler Konzern ist der Zukauf ein gezielter Schritt, um das therapeutische Spektrum bei Stoffwechselstörungen zu erweitern, nachdem das Unternehmen bereits Anfang des Monats die Rechte an einem neurologischen Programm gegen Parkinson für bis zu 1,27 Milliarden US-Dollar einlizenziert hatte.
Fortschritte in späten Entwicklungsphasen
Parallel zu den Zukäufen treibt Roche klinische Programme der späten Phase voran. Erst am vergangenen Wochenende legte der Konzern Einjahresdaten aus den Phase-III-Studien MEERKAT und SANDCAT vor.
Der Wirkstoffkandidat Vamikibart zeigte bei Patientinnen und Patienten mit uveitischem Makulaödem über einen Zeitraum von 52 Wochen anhaltende Verbesserungen des Sehvermögens sowie einen Rückgang der Makuladicke. Die US-Gesundheitsbehörde FDA hat den entsprechenden Zulassungsantrag bereits angenommen und eine Entscheidung bis Juli 2027 angekündigt.
Zudem verbuchte Roche am 9. Oktober eine weitere behördliche Genehmigung in den USA. Die FDA erteilte die Freigabe für das Krebsmedikament Tecentriq sowie dessen subkutane Formulierung Tecentriq Hybreza in Kombination mit einer Chemotherapie zur adjuvanten Behandlung von Darmkrebs im Stadium III. Nach Unternehmensangaben markiert dieser Schritt die zwölfte US-Zulassung für diesen Wirkstoff.
Getrennte Analystenansichten vor den Quartalszahlen
An den Finanzmärkten verlief die jüngste Entwicklung für die Anteilsscheine verhalten. Am gestrigen Dienstag schloss das Papier bei 323,90 GBP, was auf Sicht von sieben Tagen einem Minus von 10 Prozent entspricht. Die Marktkapitalisierung beläuft sich umgerechnet auf 356,37 Milliarden Euro.
Am Markt richtet sich der Blick der Anleger nun auf die anstehenden Zwischenergebnisse. Am 22. Oktober wird Roche vor Handelsbeginn in der Schweiz die Umsatzzahlen für das dritte Quartal 2026 veröffentlichen. Unter den Analysten gehen die Einschätzungen zu den Perspektiven des Konzerns auseinander.
Am Montag beließ Richard Vosser von JPMorgan die Einstufung auf „Neutral“ mit einem Kursziel von 325 Franken und verwies darauf, dass eine Bestätigung der Jahresziele zu erwarten sei.
Dagegen erneuerte Michael Leuchten vom Analysehaus Jefferies am selben Tag sein Votum „Underperform“, hob das Kursziel jedoch von 230 auf 250 Franken an. Er begründete seine zurückhaltende Haltung mit einer Bewertungsprämie von 40 Prozent und betonte, dass klinische Hoffnungsträger wie Giredestrant zwingend Erfolge liefern müssten, da bis 2028 nur wenige weitere maßgebliche Kurstreiber absehbar seien. Die Vorlage der Quartalserlöse in der kommenden Woche dürfte daher erste Anhaltspunkte über das operative Tempo liefern.
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