Drei neue NASA-Missionen, ein Weltrekord bei der Startreaktion und die 90. Electron-Mission — Rocket Lab liefert operativ auf ganzer Linie. Der Aktienkurs erzählt eine andere Geschichte.

NASA wählt Electron für drei Wissenschaftsmissionen

NASA hat Rocket Lab offiziell für drei Starts unter dem VADR-Vertrag ausgewählt. Zwei Missionen entfallen auf den Polarized Submillimeter Ice-cloud Radiometer (PolSIR) — zwei 16U-CubeSats zur Erforschung von Eiswolken in großer Höhe. Der Start ist für frühestens Juni 2027 vom Startplatz in Neuseeland geplant. Die dritte Mission trägt den Total and Spectral Solar Irradiance Sensor-2 (TSIS-2) ins All und soll Anfang 2027 abheben. TSIS-2 misst den Einfluss der Sonne auf das Erdklima.

NASA begründete die Wahl mit der Präzision der Electron-Rakete und der schnellen Startfolge des Unternehmens.

Weltrekord und Flug Nummer 90

Noch während die NASA-Meldung die Runde macht, steht heute der 90. Electron-Start an. Das „Ten Owl of Ten“-Programm für den japanischen Erdbeobachtungsanbieter Synspective — der zehnte dedizierte Start für diesen Kunden — öffnet sein Startfenster um 18:45 Uhr MEZ.

Kurz zuvor hatte Rocket Lab einen globalen Rekord gesetzt. Bei der VICTUS HAZE-Mission für die U.S. Space Force brachte das Unternehmen einen Satelliten in nur 16 Stunden und 42 Minuten nach Erhalt des Startbefehls in die Umlaufbahn. Der bisherige Rekord lag bei 27 Stunden. Diese Fähigkeit zur taktisch reaktiven Raumfahrt gilt als zentrales Argument für weitere Regierungsverträge.

Kurs unter Druck — trotz starkem Rückenwind

Operativ läuft es. Am Markt läuft es nicht. Die Aktie schloss am Donnerstag bei 80,69 USD — ein Rückgang von rund 25 Prozent in sieben Tagen. Analysten nennen zwei Hauptgründe: den SpaceX-Börsengang am 12. Juni, der Kapital aus dem Sektor abzog, sowie Bedenken rund um ein potenzielles Eigenkapitalprogramm im Volumen von 3 Milliarden USD.

Seit dem 52-Wochen-Hoch von 151,00 USD Ende Mai hat die Aktie fast die Hälfte ihres Wertes verloren. Der RSI liegt bei 34,2 — knapp oberhalb der klassischen Überverkauft-Schwelle. Auf Jahressicht steht noch ein Plus von gut 6 Prozent.

Backlog und der Blick auf August

Das Unternehmen geht mit einem Auftragsbestand von über 2 Milliarden USD in die zweite Jahreshälfte. Electron verlässt die Produktion derzeit im Rhythmus von einer Rakete alle elf Tage. Das Space-Systems-Segment steuert ebenfalls bei — zuletzt mit einem Auftrag über 90 Millionen USD für zwei geostationäre Satelliten der Space Force.

Am 6. August legt Rocket Lab die Zahlen für das zweite Quartal vor. Dann richtet sich der Blick auch auf den Entwicklungsstand der größeren Neutron-Rakete — und auf die Frage, wann das Unternehmen erstmals schwarze Zahlen schreiben wird.