Rocket Lab kämpft sich zurück. Die Aktie legt am Mittwoch um 2,30 Prozent auf 62,20 Euro zu, nach einem Schlusskurs von 60,80 Euro am Dienstag. Der Anstieg folgt auf einen brutalen Absturz: In den vergangenen 30 Tagen hatte das Papier fast 30 Prozent verloren.
Den Auslöser für die Erholung liefert ein neuer Regierungsauftrag. Die US Air Force vergibt einen Kontrakt über 266 Millionen Dollar für suborbitale Startdienste an Rocket Lab. Der Deal umfasst zwölf Starts von suborbitalen Trägerraketen, mit Optionen auf sechs weitere Missionen vom Pacific Spaceport Complex in Alaska. Die Arbeiten sollen bis Ende 2028 abgeschlossen sein.
Ein Kurs weit unter seinen Höchstständen
Trotz der jüngsten Erholung bleibt die Aktie tief im Minus. Verglichen mit dem 52-Wochen-Hoch von 133,80 Euro vom 27. Mai fehlen noch immer rund 54 Prozent bis zur alten Bestmarke. Der 14-Tage-RSI von 35,6 signalisiert eine überverkaufte Situation — ein Hinweis darauf, dass der Abwärtsdruck der letzten Wochen möglicherweise übertrieben war.
Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von rund 93 Prozent zeigt, wie nervös der Handel mit dem Titel derzeit verläuft. Kein Wunder, dass jede neue Auftragsmeldung den Kurs sofort in Bewegung setzt.
Größerer Rahmenvertrag treibt den ganzen Sektor
Der Air-Force-Auftrag kommt nur wenige Tage nach einer weit größeren Entwicklung für die gesamte Raumfahrtbranche. Die Space Force hat das maximale Volumen des Rahmenvertrags „National Security Space Launch Phase 3 Lane 1“ laut einer Mitteilung vom 17. Juli von 5,6 Milliarden auf 17 Milliarden Dollar angehoben. Damit steht dem Verteidigungsministerium bis zum Geschäftsjahr 2029 deutlich mehr Budget für Startaufträge zur Verfügung.
Sieben Unternehmen konkurrieren um diese Aufträge: SpaceX, United Launch Alliance, Blue Origin, Rocket Lab, Stoke Space, Impulse Space und Relativity Space. Die Aufstockung des Rahmenvertrags vergrößert den Kuchen für alle sieben Anbieter — Rocket Lab profitiert davon als einer der etablierten Namen im Pool.
Privatanleger scheinen die Nachrichtenlage als Kaufgelegenheit zu interpretieren statt als Warnsignal. Auf der Plattform Stocktwits blieb die Stimmung rund um das Kürzel RKLB „bullish“, bei gleichzeitig hohem Nachrichtenaufkommen.
Iridium-Übernahme als größere Baustelle
Die neuen Verteidigungsaufträge treffen auf ein Unternehmen, das parallel eine deutlich größere Transformation stemmt. Rocket Lab hatte Ende Juni eine Übernahme des Satellitenbetreibers Iridium Communications im Volumen von rund 8 Milliarden Dollar angekündigt. Das Management positioniert den Deal als Schritt zu einem vollständig vertikal integrierten Raumfahrtkonzern — von Raketenstarts über Satellitenbau bis zur Kommunikation im Orbit.
Auf Jahressicht steht die Aktie mit knapp 2 Prozent im Plus, was die heftigen Schwankungen der vergangenen Monate kaschiert. Über die letzten zwölf Monate summiert sich der Anstieg auf über 55 Prozent. Diese Diskrepanz zwischen kurzfristiger Volatilität und langfristigem Gewinn dürfte Anleger auch in den kommenden Wochen begleiten, sollte der Newsflow rund um weitere Rüstungsaufträge und den Iridium-Deal anhalten.
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