Rocket Lab hat den größten Einzelstartvertrag seiner Firmengeschichte an Land gezogen. Das US-Verteidigungsministerium vergab einen mit 266 Millionen US-Dollar dotierten Festpreisvertrag für zwölf suborbitale Starts, mit einer Option auf sechs weitere Missionen. Ausgeführt werden sollen sie vom Pacific Spaceport Complex auf Kodiak Island in Alaska aus, die Laufzeit reicht bis zum 31. Dezember 2028. Von der Space Systems Command wurden zunächst 112 Millionen Dollar aus Mitteln des Haushaltsjahres 2025 verpflichtet, der Rest folgt mit fortschreitender Auftragsabwicklung.
Höherer Preis pro Start als im März
Zum Einsatz kommt die HASTE-Rakete, eine von der Electron abgeleitete Trägervariante für Hyperschalltests mit einer Nutzlastkapazität von bis zu 700 Kilogramm und Geschwindigkeiten von rund Mach 20. Der Auftrag ging aus einem Wettbewerbsverfahren mit drei Bietern hervor. Bemerkenswert ist die Preisentwicklung: Pro Start liegt der neue Vertrag bei umgerechnet knapp 14,8 Millionen Dollar, während ein vergleichbarer Auftrag im März für 20 HASTE-Starts noch mit rund 9,5 Millionen Dollar pro Mission kalkuliert war. Die Verlagerung nach Alaska erschließt zudem einen freien Ozean-Überflugkorridor für Inklinationen zwischen 59 und 110 Grad, der von Virginia aus nicht möglich wäre.
An der Börse kam die Nachricht gut an. Erste Meldungen sprachen von einem nachbörslichen Kurssprung von bis zu neun Prozent unmittelbar nach Bekanntwerden des Vertrags. Die Rocket-Lab-Aktie notiert aktuell bei 62,90 Euro und legt im heutigen Handel um 3,45 Prozent zu. Der Kontrakt kommt zu einem Zeitpunkt, an dem das Papier deutlich unter Druck steht: Auf Monatssicht steht ein Minus von 28,36 Prozent zu Buche, vom bisherigen 52-Wochen-Hoch bei 133,80 Euro, aufgestellt Ende Mai, trennen die Aktie derzeit knapp 53 Prozent.
Iridium-Übernahme und NASA-Mandate als Wachstumshebel
Der Verteidigungsauftrag reiht sich in eine Serie strategischer Weichenstellungen ein. Rocket Lab hatte zuvor die Übernahme von Iridium Communications für rund 8 Milliarden Dollar vereinbart, zahlbar mit 54 Dollar je Aktie in bar und in Aktien – ein Aufschlag von 24 Prozent auf den Schlusskurs vom 26. Juni. Der Abschluss wird für Mitte 2027 erwartet und steht noch unter behördlichem Vorbehalt. Iridium selbst legte am 22. Juli Zahlen für das zweite Quartal 2026 vor: Der Umsatz kletterte auf 225,2 Millionen Dollar, ein Plus von 3,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr und über der Konsensschätzung von 221,8 Millionen Dollar. Das bereinigte EBITDA lag bei 119,1 Millionen Dollar, die Abonnentenzahl wuchs um 703.000 auf 2,63 Millionen.
Auch bei der NASA punktet Rocket Lab. Die US-Raumfahrtbehörde wählte das Unternehmen im Juni für zwei Wissenschaftsmissionen aus – PolSIR zur Erforschung von Eiswolken und TSIS-2 zur Messung der Sonnenenergie, beide sollen ab 2027 mit Electron-Raketen starten, abgedeckt durch einen 300-Millionen-Dollar-VADR-Rahmenvertrag. Parallel meldete Rocket Lab einen vollständigen Heißtest des vakuumoptimierten Archimedes-Oberstufentriebwerks am NASA Stennis Space Center, einen wichtigen Meilenstein auf dem Weg zum geplanten Debüt der wiederverwendbaren Neutron-Rakete.
Analysten bleiben trotz Kursschwäche zuversichtlich
Die Wall Street reagierte gemischt auf die jüngste Nachrichtenflut. Piper Sandler nahm die Coverage mit einem Hold-Rating auf, während Morgan Stanley bei einem Kursziel von 105 Dollar auf Buy setzt. Stifel-Analyst Erik Rasmussen bestätigte sein Buy-Rating im Zusammenhang mit dem neuen Air-Force-Vertrag. In der Gesamtschau ergibt sich ein Konsens von 13 Kauf- und 4 Halten-Einstufungen mit einem durchschnittlichen Kursziel von 111,40 Dollar. Gegenläufig fällt auf, dass Insider in den vergangenen drei Monaten Aktien im Wert von 362,8 Millionen Dollar verkauft haben, was die aktuelle Kursschwäche zusätzlich befeuert haben dürfte.
Operativ bewegt sich Rocket Lab auf Wachstumskurs: Der Umsatz im ersten Quartal 2026 lag bei 200,3 Millionen Dollar, der Auftragsbestand zum Ende März bei 2,2 Milliarden Dollar. Für das zweite Quartal wird ein Umsatz von 230 Millionen Dollar erwartet, für das Gesamtjahr rechnet das Management mit 918 Millionen Dollar. Die nächsten Quartalszahlen sind für den 6. August terminiert – ein Termin, der angesichts der laufenden Iridium-Integration und der militärischen Auftragsflut besondere Aufmerksamkeit auf sich ziehen dürfte.
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