Starke Aufträge, schwache Kurse. Bei Rocket Lab klaffen operatives Geschäft und Börsenwert derzeit weit auseinander. Das Raumfahrtunternehmen liefert am laufenden Band Erfolgsmeldungen. Die Aktie hingegen befindet sich im freien Fall.

Allein in den vergangenen 30 Tagen verlor das Papier fast 44 Prozent an Wert. Am Freitag schloss die Aktie bei 72,70 Euro. Das war zwar ein leichtes Tagesplus von 2,5 Prozent. Der übergeordnete Abwärtstrend bleibt aber intakt.

Damit notiert der Kurs nun rund 46 Prozent unter seinem Rekordhoch von Ende Mai. Der Abstand zur 50-Tage-Linie beträgt mittlerweile über 21 Prozent. Der Relative-Stärke-Index signalisiert mit einem Wert von 35 einen stark überverkauften Zustand.

Volle Auftragsbücher

Diese Talfahrt überrascht auf den ersten Blick. Das operative Geschäft brummt nämlich. Erst am Wochenende brachte Rocket Lab erfolgreich einen weiteren Satelliten für das japanische Unternehmen Synspective ins All. Es war bereits der zwölfte Start in diesem Jahr.

Insgesamt blickt der Konzern nun auf 91 absolvierte Missionen zurück. Die kleine Trägerrakete Electron dominiert ihren Markt. Für Synspective stehen bis zum Ende des Jahrzehnts noch 17 weitere Starts im Kalender.

Auch die Bilanzen stimmen. Im ersten Quartal 2026 kletterte der Umsatz um 63 Prozent auf gut 200 Millionen US-Dollar. Der Auftragsbestand beläuft sich auf beeindruckende 2,2 Milliarden US-Dollar.

Sektor-Schwäche und Verwässerung

Die Gründe für den Absturz liegen vor allem im breiteren Marktumfeld. Nach dem Börsengang von SpaceX gerieten Branchenwerte massiv unter Druck. Investoren ziehen reihenweise Kapital aus Raumfahrt-Titeln ab. Die Folge: ein massiver Kursrutsch.

Ein weiteres Problem ist die drohende Verwässerung. Rocket Lab nutzt ein milliardenschweres Aktienverkaufsprogramm zur Finanzierung. Das drückt den Kurs zusätzlich. Die extrem hohe Volatilität von fast 93 Prozent zeigt die aktuelle Nervosität der Anleger.

Wichtige Termine im August

Im August präsentiert das Management die Zahlen für das zweite Quartal. Der Vorstand peilt einen Umsatz von bis zu 240 Millionen US-Dollar an. Das entspricht einem sequenziellen Wachstum von 16 Prozent.

Analysten bleiben mehrheitlich optimistisch. Das durchschnittliche Kursziel an der Wall Street liegt bei 97,50 US-Dollar. Die Investmentbank KeyBanc sieht das Ziel sogar bei 135 US-Dollar. Der Quartalsbericht im August liefert die nächsten harten Fakten. Dann muss das Management beweisen, dass das operative Wachstum die Verwässerungsrisiken übersteigt.