Drei Faktoren treffen Rocket Lab gleichzeitig. Das Ergebnis: ein Kursrückgang von mehr als 35 Prozent in 30 Tagen — vom Allzeithoch bei 133,80 Euro Ende Mai auf aktuell 78,10 Euro.
Nasdaq-100-Aufnahme verpufft
Am 22. Juni trat Rocket Lab offiziell in den Nasdaq-100 ein. Mehr als 200 Anlageprodukte mit rund 800 Milliarden Dollar verwaltetem Vermögen bilden den Index nach. Theoretisch hätte das mechanischen Kaufdruck erzeugt. Praktisch lief es anders.
Wer die Aufnahme antizipiert hatte, kaufte früh. Als der Termin kam, verkauften diese Anleger in die Stärke. Das klassische „Buy the Rumor, Sell the News“ — präzise ausgeführt am Tag der Aufnahme.
Verwässerungsrisiko durch ATM-Programm
Hinzu kommt ein strukturelles Problem. Rocket Lab hat im Mai ein At-the-Market-Programm über bis zu 3 Milliarden Dollar genehmigt. Es erlaubt, Aktien direkt in den Markt zu verkaufen — oder Banken als Gegenparteien einzusetzen, die Aktien leihen und zur Absicherung verkaufen.
Das Unternehmen selbst warnte in der SEC-Einreichung, dass solche Hedging-Verkäufe den Kurs drücken oder Kursgewinne deckeln könnten. Marktbeobachter befürchten, dass die Nasdaq-Aufnahme günstige Bedingungen für genau diese Emissionen schafft — und damit den Effekt des Indexkaufs teilweise neutralisiert.
SpaceX saugt Kapital aus dem Sektor
Der dritte Druckfaktor kommt von außen. SpaceX hat kurz nach seinem Börsengang Anleihen im Volumen von 25 Milliarden Dollar platziert. Die Nachfrage war enorm: Institutionelle Investoren orderten Papiere im Wert von fast 90 Milliarden Dollar.
Die Tranchen reichen von 5,35 Prozent Zinsen bis 2031 bis zu 6,65 Prozent bis 2056. Den Erlös nutzt SpaceX überwiegend zur Ablösung eines Brückenkredits über 20 Milliarden Dollar. Für Konkurrenten wie Rocket Lab bedeutet das: Kapital, das in SpaceX-Anleihen fließt, steht für andere Raumfahrtinvestments nicht zur Verfügung. SpaceX selbst verlor am Montag 16 Prozent seines Börsenwerts.
Fundamentaldaten unverändert stark
Der operative Ausblick hat sich nicht verschlechtert. Im jüngsten Quartal erzielte Rocket Lab einen Umsatz von 200,3 Millionen Dollar — ein Plus von 63,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Bruttomarge lag bei 38,2 Prozent. Der Auftragsbestand beläuft sich auf 2,2 Milliarden Dollar. Für das laufende Quartal erwartet das Management zwischen 225 und 240 Millionen Dollar Umsatz.
Analysten von KeyBanc bezeichneten den Kursrückgang als nicht gerechtfertigt. Sie sehen Rocket Lab als klare Nummer zwei hinter SpaceX und verweisen auf die Nachfrage nach Satelliten, Raketen und den bestehenden Auftragsbestand.
Der Nettoverlust von 45 Millionen Dollar im ersten Quartal zeigt: Rocket Lab bleibt ein Wachstumswert ohne GAAP-Profitabilität. Das Bewertungsniveau hängt stark am Neutron-Programm. Allein im ersten Quartal 2026 unterzeichnete das Unternehmen fünf neue Startverträge für die Neutron-Rakete. Ein erfolgreicher Erstflug würde Rocket Lab in direkte Konkurrenz zur Falcon 9 von SpaceX bringen — und den adressierbaren Markt deutlich ausweiten. Wann genau dieser Erstflug stattfindet, bleibt offen.
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