Eine Woche, zwei Gesichter: Auf der einen Seite meldet Rocket Lab einen wichtigen technischen Durchbruch bei der neuen Rakete Neutron. Auf der anderen Seite verliert die Aktie binnen sieben Handelstagen mehr als 16 Prozent. Wer nur auf den Kurs schaut, verpasst die eigentliche Geschichte.

Am Freitag schloss das Papier bei 59,30 Euro, ein Plus von 0,68 Prozent. Nach dem starken Absturz der Vorwoche wirkt das wie eine erste Stabilisierung. Der Wochenverlust von 16,48 Prozent bleibt trotzdem deutlich.

Neutron besteht wichtigen Triebwerkstest

Am 17. Juli 2026 hat Rocket Lab einen zentralen Meilenstein für sein Mittelklasse-Raumfahrzeug Neutron erreicht. Das Unternehmen führte einen vollständigen Heißstart-Test des AVac-Triebwerks durch. Diese Vakuum-Version des Archimedes-Antriebs soll später die zweite Stufe der Neutron antreiben.

Der erfolgreiche Test räumt eine technische Hürde vor dem geplanten Jungfernflug aus dem Weg. Neutron soll Rocket Lab aus dem reinen Kleinsatelliten-Geschäft herausführen. Das Ziel: höhere Nutzlasten für kommerzielle Megakonstellationen und Missionen der nationalen Sicherheit, wo wiederverwendbare Architekturen über die Kosteneffizienz entscheiden.

Pentagon erhöht Auftragsvolumen deutlich

Am selben Tag kam eine zweite positive Nachricht aus Washington. Das US-Verteidigungsministerium erhöhte das Volumen der National Security Space Launch Phase Three Lane One Verträge. Rocket Lab gehört neben Partnern wie Impulse Space und Relativity Federal zu den Empfängern der Erweiterung.

Das Programm-Volumen steigt dadurch kumuliert um 11,4 Milliarden Dollar. Für Rocket Lab bedeutet das einen mehrjährigen Vorlauf an hochpriorisierten Regierungsaufträgen. Erst kürzlich hatte das Unternehmen mit der VICTUS-HAZE-Mission gezeigt, dass es als kompletter Anbieter auftreten kann – inklusive Rakete, Satellit und Betrieb im Orbit.

Iridium-Übernahme sorgt für Nervosität

Die eigentliche Ursache für den Kurseinbruch liegt woanders: bei der geplanten Übernahme von Iridium Communications im Wert von 8 Milliarden Dollar. Privatanleger befürchten eine Verwässerung ihrer Anteile und Risiken bei der Umsetzung des Deals.

Morgan Stanley bekräftigte dennoch die Einstufung „Overweight“ mit einem Kursziel von 105 Euro. Die Bank begründet das mit dem Potenzial, dass Rocket Lab sich zu einer vertikal integrierten Weltraumplattform ähnlich SpaceX entwickeln könnte.

Charttechnisch wirkt die Aktie inzwischen überverkauft. Der 14-Tage-RSI ist auf 30,2 gefallen, ein Niveau, das häufig mit „Buy the Dip“-Reaktionen nach übertriebenen Verkaufswellen einhergeht. Der Kurs notiert derzeit rund 12 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 67,33 Euro – die Marke um 59 Euro dürfte in den kommenden Handelstagen als mögliche Bodenbildung getestet werden.

Für mehr Klarheit dürfte der nächste Quartalsbericht sorgen. Investoren erwarten dort Details zur Integration von Iridium und zum Produktionsfahrplan der Neutron-Struktur am Standort Wallops in Virginia.