Rocket Lab kauft den Satellitenbetreiber Iridium für acht Milliarden US-Dollar. Das Ziel: ein direkter Angriff auf die Vormachtstellung von Elon Musks SpaceX. Die Strategie hat allerdings einen Haken. Das wichtigste Puzzleteil fehlt noch immer.

Das Raketen-Defizit

CEO Peter Beck braucht dringend die neue Neutron-Rakete. Ihr Erstflug lässt jedoch auf sich warten. Bisher verlässt sich Rocket Lab auf die kleinere Electron-Trägerrakete. Neutron stößt dagegen in die mittlere Gewichtsklasse vor. Dort dominiert aktuell die Falcon 9 von SpaceX.

Ohne eine flugerprobte Neutron-Rakete geht Becks Rechnung nicht auf. Der Konzern kann das Modell aus Start- und Satellitendiensten noch nicht vollständig kopieren. Selbst das riesige Iridium-Netzwerk ändert daran vorerst wenig.

Wall Street hebt Kursziele an

Der Iridium-Deal verändert die Wettbewerbslandschaft massiv. Beobachter sehen darin den Bauplan für einen integrierten SpaceX-Konkurrenten. Rocket Lab rückt damit auch in das direkte Blickfeld von Amazon. Beide Konzerne kämpfen um den Zukunftsmarkt für direkte Satellitenverbindungen zu mobilen Geräten.

Die Wall Street feiert den strategischen Schachzug. Bank of America hob das Kursziel auf 115 US-Dollar an. Die Analysten von JMP Securities gehen sogar noch weiter. Sie erwarten einen Anstieg auf 130 US-Dollar. Roth Capital nennt die neue Marktposition des Unternehmens bereits beeindruckend.

Abkühlung nach der Kursrally

Nach der anfänglichen Euphorie kühlt der Handel etwas ab. Am Mittwoch rutschte das Papier um 1,55 Prozent auf 100,07 US-Dollar. Die Folge: erste Gewinnmitnahmen. In den vergangenen zehn Tagen schloss die Aktie sechsmal im Minus. Der Kurs sank in dieser Zeit um gut vier Prozent. Zuvor hatte der geplante Zukauf den Wert massiv nach oben getrieben.

Nun läuft der Countdown. Der Iridium-Deal wartet auf seinen endgültigen Abschluss. Parallel dazu plant Rocket Lab den Erstflug der Neutron-Rakete für Ende dieses Jahres. Gelingt dieser Start, schließt das Unternehmen die wichtigste Lücke in seiner Strategie. Bis dahin bleibt das ehrgeizige Raketenprogramm der entscheidende Risikofaktor auf dem Weg zur Branchenspitze.