Rocket Lab hat einen wichtigen technischen Meilenstein erreicht. Die zweite Stufe der Neutron-Rakete hat einen vollständigen Langzeit-Test ihres AVac-Triebwerks bestanden. Die Aktie reagierte darauf verhalten: Am Freitag schloss sie bei 67,62 US-Dollar, ein Plus von 0,40 Prozent.

Der Test ist ein Etappenerfolg auf dem Weg zum Erststart der Neutron-Rakete. Rocket Lab entwickelt Neutron als wiederverwendbaren Träger für mittelschwere Lasten. Damit will das Unternehmen aus dem Geschäft mit kleinen Satelliten herauswachsen und Anbieter größerer Orbitalraketen direkt herausfordern.

Zeitplan bleibt ambitioniert

Der Erststart von Neutron ist für das vierte Quartal 2026 geplant. Ursprünglich hatte Rocket Lab das erste Quartal 2026 angepeilt, ein fehlgeschlagener Tanktest der ersten Stufe zwang den Konzern jedoch zur Verschiebung.

Firmenchef Sir Peter Beck hat die Erwartungen der Anleger bewusst kanalisiert. Als nächsten Fortschrittsindikator nannte er das „Platzieren von Bauteilen auf Testständen“. Man arbeite an einem „aggressiven Zeitplan“, um zum Startplatz zu gelangen, so Beck.

Die erste Stufe der Rakete soll künftig auf einem Bergungsschiff namens „Return on Investment“ landen. Das 122 Meter lange Spezialschiff entsteht derzeit bei Bollinger Shipyards in Louisiana. Fertig sein soll es rechtzeitig für den zweiten Neutron-Start – nicht für den ersten.

Verzögerungen bei Erstflügen sind in der Raumfahrtbranche die Regel, nicht die Ausnahme. Falcon 9, New Glenn, Vulcan und Ariane 6 mussten ihre Debütflüge allesamt deutlich nach hinten verschieben. Struktur-, Antriebs- oder Lieferkettenprobleme während der Qualifikationstests gehören bei neuen Trägerraketen zum Standardrepertoire.

Auftragsbuch wächst schneller als der Flugplan

Während die Technik noch reift, läuft das Geschäft mit Startaufträgen auf Hochtouren. Im ersten Quartal 2026 unterschrieb Rocket Lab 36 neue Launch-Verträge – mehr als in den gesamten zwölf Monaten 2025, in denen der Konzern 21 Missionen flog.

Von den neuen Aufträgen entfallen 31 auf Electron und HASTE, fünf weitere sind fest gebuchte Neutron-Starts. Das kombinierte Auftragsbuch für beide Raketentypen liegt inzwischen bei über 70 Missionen. Der Gesamtwert des Backlogs beträgt rund 2,2 Milliarden US-Dollar, wovon 41,5 Prozent auf Startverträge entfallen.

Kurs unter Druck trotz operativer Fortschritte

An der Börse zählt aktuell weniger das Auftragsbuch als das Timing der Neutron-Mission. Die Aktie notiert 55,22 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 151,00 US-Dollar vom 27. Mai. Allein in den vergangenen 30 Tagen verlor das Papier 36,95 Prozent.

Der 14-Tage-RSI liegt bei 30,1 – ein Wert, den Charttechniker klassisch als überverkauft einstufen. Das deutet darauf hin, dass ein Großteil der pessimistischen Erwartungen bereits im Kurs steckt, ohne dass dies eine Trendwende garantiert.

Der Blick der Anleger richtet sich nun auf die kommenden Hardware-Tests und die Integrationsarbeiten am Startkomplex 3 in Virginia. Solange der Zeitplan fürs vierte Quartal 2026 hält, bleibt jeder weitere Testerfolg ein Signal – jede neue Verzögerung dürfte die Nervosität am Markt hingegen weiter befeuern.