Der Softwarekonzern Salesforce treibt den personellen Umbau seiner Führungsebene voran, um die Entwicklung autonomer KI-Systeme zu beschleunigen. Wie gestern bekannt wurde, wechselt der langjährige Microsoft-Manager Krishna Kumar Parthasarathy zum CRM-Marktführer. Er übernimmt die Rolle des Executive Vice President (EVP) für das Engineering der KI-Plattform Agentforce sowie für die Bereiche Service Cloud und digitale Kanäle.

Parthasarathy bringt rund 30 Jahre Erfahrung von Microsoft mit und folgt damit anderen hochrangigen Führungskräften, die Salesforce zuletzt verstärkt haben. Die Neubesetzung ist Teil einer umfassenderen Umstrukturierung unter Hayete Gallot, die im Februar zu Salesforce zurückkehrte. Der Fokus liegt dabei klar auf der Skalierung von „Agentic AI“, also KI-Agenten, die eigenständig Aufgaben innerhalb von Unternehmensprozessen übernehmen können.

Agentforce verzeichnet hohe Nachfrage in der Praxis

Die neue Technologie-Plattform Agentforce scheint bereits kurz nach dem Start erhebliche Marktdynamik zu entfalten. Medienberichten zufolge konnte Salesforce im vergangenen Quartal rund 8.000 Abschlüsse im Zusammenhang mit dieser KI-Lösung erzielen. Ein Beispiel für die praktische Anwendung liefert die Ratingagentur Moody’s. Deren Vertriebsmitarbeiter nutzen einen auf Agentforce basierenden Assistenten, um Account-Einblicke und Signale zu verarbeiten. Das Ergebnis ist eine Steigerung der gebuchten Kundentermine um 20 Prozent.

Parallel dazu investiert Salesforce massiv in spezialisierte Branchenlösungen. Für den Sektor Life Sciences, in dem bereits über 140 Organisationen auf Agentforce-Lösungen setzen, baut das Unternehmen derzeit die Kapazitäten für technische Architekten aus. Diese sollen Kunden dabei unterstützen, komplexe KI-gesteuerte Workflows in die bestehende Infrastruktur zu integrieren. Eine aktuelle Studie des Unternehmens unterstreicht den Bedarf: 95 Prozent der Fachkräfte im Außendienst nutzen bereits KI, während gleichzeitig 61 Prozent über einen Mangel an zentralisierten Kundendaten klagen.

Starke Finanzzahlen treffen auf vorsichtige Großinvestoren

Die operative Dynamik spiegelt sich in den jüngsten Geschäftszahlen für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027 wider. Salesforce meldete einen Umsatz von 11,13 Milliarden US-Dollar, was einer Steigerung von 13,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht. Der bereinigte Gewinn pro Aktie belief sich auf 3,88 US-Dollar und übertraf damit die Erwartungen der Analysten von 3,13 US-Dollar deutlich. Ein wesentlicher Wachstumstreiber war die Data Cloud mit einem Plus von 120 Prozent. Der jährlich wiederkehrende Umsatz (ARR) für den KI-Bereich Agentforce kletterte auf 1,2 Milliarden US-Dollar.

Trotz dieser Wachstumsraten zeigt sich am Kapitalmarkt ein differenziertes Bild. Während die Analysten von Evercore ein Kursziel von 250 US-Dollar ausgeben, senkte Morgan Stanley die Einstufung zuletzt auf „Equal Weight“ mit einem Ziel von 185 US-Dollar. Diese Skepsis spiegelt sich auch im Verhalten einiger Großinvestoren wider. Pensionsfonds wie das Kentucky Retirement System und Quantinno Capital haben ihre Positionen in Salesforce-Aktien zuletzt deutlich reduziert.

An der Börse wird die Entwicklung derzeit verhalten aufgenommen. Die Aktie notiert heute bei 155,10 Euro und verzeichnet seit Jahresbeginn ein Minus von 31,60 Prozent. Damit liegt das Papier aktuell rund 32,27 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch, das Anfang Januar bei 229,00 Euro markiert wurde. Anleger beobachten nun genau, ob die personellen Verstärkungen und die hohen Abschlusszahlen bei den KI-Produkten ausreichen, um die langfristige Wachstumsstory des Konzerns am Markt wieder zu festigen.