SAP treibt seine Partnerlandschaft im Personalwesen-Segment voran: Der Konzern hat SAP SuccessFactors und die KI-Assistentin Joule an NTT DATA für eine globale Transformation im Bereich People-and-Culture übergeben. Die Ankündigung vom Mittwoch vergangener Woche zeigt, wie SAP seine Cloud-Software zunehmend über große Systemintegratoren in den Markt bringt, statt allein auf direkten Vertrieb zu setzen.
Die Personalsoftware ist für SAP längst mehr als ein Nebengeschäft. Zusammen mit der KI-Anwendung Joule soll sie Unternehmen dabei helfen, Personalprozesse und Unternehmenskultur zu digitalisieren. Mit NTT DATA als Umsetzungspartner erschließt SAP zusätzliche Vertriebskanäle, ohne selbst die komplette Implementierung stemmen zu müssen – ein Modell, das der Walldorfer Konzern in den vergangenen Jahren verstärkt verfolgt.
Vorstandsumbau mit Blick auf Kundenorientierung
Strukturell hat SAP sein Führungsteam bereits im Frühjahr neu geordnet. Zum 1. April trat eine neue Vorstandsstruktur in Kraft: Thomas Saueressig übernahm den neu geschaffenen Bereich „Customer Value Group“, in dem sämtliche kundenbezogenen Aktivitäten gebündelt werden. Der Umbau soll die Kundenorientierung des Konzerns stärken und Prozesse rund um Vertrieb, Betreuung und Wertschöpfung für Bestandskunden enger verzahnen.
Zeitgleich verließ Muhammad Alam, bislang für Produktentwicklung und Engineering zuständig, den Vorstand – er verlängerte seinen Vertrag im März nicht. Solche personellen Weichenstellungen fallen in eine Phase, in der SAP sein Cloud-Geschäft rasant ausbaut und gleichzeitig die Integration jüngst übernommener Firmen wie Dremio und Prior Labs bewältigen muss.
Regulatorische Entlastung auf zwei Fronten
Auf regulatorischer Seite kann SAP zwei Entwicklungen als Erleichterung verbuchen. Die Europäische Kommission schloss Anfang Juli ihre Überprüfung der Richtlinien für Wartung und Support von On-Premise-Lösungen ab – SAP begrüßte die Entscheidung öffentlich.
Wenige Wochen später, Ende Juli, teilte das Bundeskartellamt mit, keine Anhaltspunkte für eine Wettbewerbsbehinderung durch SAP im langjährigen Streit mit dem Prozessmining-Anbieter Celonis gefunden zu haben. Ein Missbrauchsverfahren wurde nicht eingeleitet, berichtete das Handelsblatt.
Diese beiden Entscheidungen nehmen Unsicherheit aus zwei Themenfeldern, die Anleger seit Längerem im Blick hatten: die Preisgestaltung im Bestandskundengeschäft und die kartellrechtliche Risikoeinschätzung im Wettbewerb mit spezialisierten Softwareanbietern.
Aktienrückkauf läuft planmäßig
Parallel zu den operativen und personellen Weichenstellungen setzt SAP sein milliardenschweres Rückkaufprogramm fort. Bis Ende Juni erwarb der Konzern rund 16,3 Millionen Aktien zu einem Durchschnittskurs von 161,16 Euro, was einem Volumen von etwa 2,6 Milliarden Euro entspricht.
Das Programm, im Januar mit einem Gesamtvolumen von 10 Milliarden Euro bis Ende 2027 angekündigt, signalisiert Vertrauen des Managements in die eigene Bewertung – zu Kursen, die deutlich unter dem aktuellen Niveau von 189,50 Euro lagen.
Die Aktie notiert damit rund 22 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 242,00 Euro, hat sich von den Tiefständen im Sommer aber spürbar erholt. Für Anleger bleibt die Kombination aus Cloud-Wachstum, Rückkäufen zu günstigeren Kursen und einer entschärften Regulatorik das entscheidende Argument – unabhängig von der kurzfristigen Kursbewegung.
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