Starke operative Zahlen, eine ehrgeizige KI-Roadmap und trotzdem ein massiver Kursverlust seit Jahresbeginn. Bei SAP klaffen fundamentale Entwicklung und Börsenstimmung derzeit weit auseinander. Auf der laufenden Kundenmesse Sapphire in Orlando muss der Vorstand nun liefern. Die integrierte Finanzanalystenkonferenz rückt damit in den Fokus.

Datenintegration als KI-Fundament

Im Zentrum der Veranstaltung steht die Monetarisierung künstlicher Intelligenz. SAP will hierfür die eigene Datenplattform massiv ausbauen. Erst kürzlich gab der Walldorfer Konzern die geplante Übernahme von Dremio bekannt. Der Zukauf soll voraussichtlich im dritten Quartal 2026 abgeschlossen werden.

Ziel ist es, einen universellen Datenkatalog zu schaffen. Unternehmen sollen künftig SAP- und externe Daten nahtlos verknüpfen können, um agentische KI-Anwendungen schneller nutzbar zu machen. Das Management steht nun vor der Aufgabe, diese strategischen Investitionen in greifbare Umsatzpotenziale zu übersetzen.

Starkes Auftaktquartal, trüberer Ausblick

Das operative Fundament für die Wachstumspläne ist intakt. Im ersten Quartal kletterte der Cloud-Auftragsbestand um 20 Prozent auf knapp 22 Milliarden Euro. Das Betriebsergebnis legte parallel dazu deutlich auf 2,9 Milliarden Euro zu.

Für das Gesamtjahr peilt der Softwarekonzern Cloud-Erlöse von rund 26 Milliarden Euro an. Allerdings dämpft das Management die kurzfristigen Erwartungen. Für das zweite Quartal rechnet SAP mit einem nachlassenden Cloud-Wachstum aufgrund von Einmaleffekten. Hinzu kommt ein anhaltend komplexes makroökonomisches Umfeld, das die Investitionsbereitschaft der Kunden bremsen könnte.

Aktie testet Jahrestief

An der Börse verpufften die soliden Quartalszahlen bisher. Am Dienstag gab die SAP-Aktie um gut zwei Prozent auf 141,04 Euro nach. Damit summiert sich der Verlust seit Jahresbeginn auf rund 30 Prozent.

Das Papier notiert aktuell nur knapp über dem 52-Wochen-Tief von 139,12 Euro. Die laufenden Vorstandspräsentationen in Orlando treffen auf einen nervösen Markt. Skizziert das Management die KI-Monetarisierung in den kommenden Tagen konkret genug, könnte dies den Abwärtstrend stoppen. Fällt der Kurs hingegen unter die bisherige Tiefstmarke, drohen weitere charttechnische Verkäufe.