Starke Nachfrage bei klassischer Software, Gegenwind für reine KI-Werte. Bei SAP zeigte sich am Freitag eine paradoxe Marktreaktion. Die Aktie schloss mit einem Plus von fast vier Prozent auf 136,16 Euro. Auslöser war eine externe Nachricht. Die „New York Times“ berichtete über finanzielle Schwierigkeiten bei OpenAI. Der KI-Pionier verschiebt seinen Börsengang wohl auf frühestens 2027.

KI-Infrastruktur verliert, Software gewinnt

Der IPO-Aufschub verändert das Narrativ am Markt. Bislang kauften Investoren bevorzugt direkte KI-Profiteure. SAP zählte in dieser Lesart nicht dazu. Das ändert sich nun. Analysten werten die Verzögerung als schlechtes Signal für die Cloud-Infrastruktur. Für Software-Anwender ist es hingegen positiv.

Die Folge: Anleger schichten um. Sie suchen wieder Unternehmen mit stabilen Enterprise-Software-Modellen. Die Divergenz zeigt sich deutlich beim Konkurrenten Oracle. Der Konzern ist durch einen milliardenschweren Cloud-Vertrag eng an OpenAI gebunden. Die Oracle-Aktie verlor am Freitag rund drei Prozent. Je enger die Bindung an reine KI-Infrastruktur, desto stärker der Gegenwind.

EU-Verfahren und Aktienrückkäufe

Parallel dazu lichtet sich ein regulatorisches Risiko für SAP. Die EU-Kommission prüft seit September 2025 einen möglichen Machtmissbrauch bei Supportleistungen. Der Konzern bietet nun Zugeständnisse an. Kunden sollen leichter den Anbieter wechseln können. Die Kommission sammelt aktuell Stellungnahmen zu diesen Vorschlägen.

Kommt es zu einer Einigung, entgeht SAP einer formalen Geldbuße. Diese könnte theoretisch bis zu zehn Prozent des weltweiten Jahresumsatzes betragen. Das Management erwartet keine negativen finanziellen Auswirkungen aus der Untersuchung.

Obendrein stützt ein massives Rückkaufprogramm den Kurs. Bis Juli 2026 kauft SAP eigene Papiere für bis zu 2,6 Milliarden Euro zurück. Das Gesamtprogramm umfasst ein Volumen von zehn Milliarden Euro.

Operatives Geschäft und Ausblick

Trotz der jüngsten Erholung bleibt das Papier technisch angeschlagen. Seit Jahresbeginn verlor der DAX-Titel rund 33 Prozent. Mit 136,16 Euro notiert SAP unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 147,48 Euro.

Operativ liefert der Konzern allerdings solide Zahlen. Im ersten Quartal stieg der Cloud-Auftragsbestand um 20 Prozent. Der währungsbereinigte Cloud-Umsatz legte um 27 Prozent zu.

Für das Gesamtjahr peilt das Management Cloud-Erlöse von rund 26 Milliarden Euro an. Der freie Cashflow soll bei zehn Milliarden Euro liegen.

Den nächsten konkreten Impuls liefert der 23. Juli 2026. Dann präsentiert SAP die Zahlen für das zweite Quartal. Wichtig dabei: Ein Sondereffekt aus dem ersten Quartal fällt weg. Der Markt achtet besonders auf die Cloud-Bruttomarge. Bis zur Veröffentlichung gilt die offizielle Ruheperiode. Das Management äußert sich nicht weiter zur Geschäftsentwicklung.