Bei Europas größtem Softwarekonzern braut sich ein perfekter Sturm zusammen. Hohe Infrastrukturkosten und ein aggressiver Konkurrent aus den USA setzen SAP massiv unter Druck. Die Aktie verlor in den vergangenen sieben Tagen mehr als acht Prozent.
Oracles Milliarden-Wette
Der Auslöser für den jüngsten Kursrutsch liegt im Silicon Valley. Konkurrent Oracle kündigte gigantische Investitionen an. Bis zu 95 Milliarden US-Dollar fließen in neue Rechenzentren. Der Markt fürchtet nun einen ruinösen Wettlauf. Oracle-Papiere brachen vorbörslich um mehr als zehn Prozent ein. Die Panik schwappte schnell nach Europa über. SAP verlor im Tagesverlauf 4,4 Prozent.
Teure KI-Infrastruktur
Parallel dazu wachsen die hausgemachten Sorgen. Goldman Sachs senkte die Margenprognose für das zweite Halbjahr 2026. Die Bank erwartet nun eine Bruttomarge von 72,8 Prozent. Zuvor lag der Wert bei 73,3 Prozent. Rechenintensive KI-Anwendungen fressen enorm viel Kapital. SAP muss massiv in Server investieren. Hinzu kommt ein schwächelnder Großkunde aus dem Nahen Osten. Dieser fährt seine Aktivitäten zurück. Das bremst das Cloud-Wachstum kurzfristig aus.
Zinswende verschoben
Auch das makroökonomische Umfeld liefert Gegenwind. Goldman Sachs erwartet keine Zinssenkungen der US-Notenbank mehr im Jahr 2026. Die Experten verschoben ihre Prognose komplett auf 2027. Die Folge: Höhere Zinsen drücken die Bewertung von Wachstumsaktien. Das löste eine breite Verkaufswelle im Technologiesektor aus.
Operative Gegenwehr
Mitten in dieser Schwächephase setzt SAP auf operative Argumente. Am heutigen Dienstag präsentiert der Konzern neue KI-Lösungen für die Buchhaltung. Vortrainierte Sprachmodelle sollen Rechnungen deutlich schneller verarbeiten. Morgen positioniert SAP sein Netzwerk als zentrale Plattform für den digitalen Einkauf.
Dem Aktienkurs helfen diese Nachrichten aktuell kaum. Das Papier notiert schwach bei 142,22 Euro. Seit Jahresbeginn summiert sich das Minus auf fast 30 Prozent. Damit bewegt sich der Kurs gefährlich nahe am Jahrestief von 135,52 Euro.
Ende Juli legt SAP die Zahlen für das zweite Quartal vor. Der reine Umsatz rückt dabei in den Hintergrund. Viel wichtiger wird der Auftragsbestand im Cloud-Geschäft. Im Auftaktquartal wuchs dieser Bereich noch um 27 Prozent. Analysten werden genau prüfen, ob SAP dieses Tempo trotz steigender Kosten halten kann.
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