Auf der Entwicklerkonferenz TechEd in Berlin hat SAP heute ein breites Paket an KI-Neuerungen vorgestellt. Im Zentrum steht ein Versprechen: Software-Agenten sollen nicht mehr nur Fragen beantworten, sondern Arbeit erledigen. Technikchef Philipp Herzig spricht vom Schritt, „from AI learning your business to running it“.
Offene Schnittstellen und Kontrolle
Die Werkzeuge Joule Work und Joule Studio bekommen neue Fähigkeiten. Agenten sollen über offene Protokolle wie Agent2Agent und Model Context Protocol mehrstufige Geschäftsprozesse planen und ausführen. Über ein kontrolliertes Gateway dürfen auch Agenten anderer Anbieter Joule-Agenten aufrufen.
Ein neues Enterprise AI Gateway soll den KI-Verkehr im Unternehmen bündeln, inklusive Authentifizierung, Richtlinien und Protokollierung. Ein KI-Governance-Assistent soll Kunden helfen, die Vorgaben des EU AI Act einzuhalten. Für Entwickler gibt es einen Anreiz: Das Hosting eigener Agenten auf der SAP-Laufzeitumgebung bleibt für ausgewählte Kunden bis Dezember 2026 kostenlos.
Datenbasis und Weltraum-Einsatz
Das Fundament bildet die Business Data Cloud. SAP erweitert sie mit Dremio um einen Abfragedienst, der Daten ohne Kopieren zugänglich macht. Parallel dazu vertieft der Konzern die Partnerschaft mit Databricks, dessen Technik als „SAP Databricks“ in die Plattform wandert. Die zuletzt vorgestellte Reltio-Lösung bringt Stammdatenmanagement dazu.
Besonders ins Auge fällt das tabellarische KI-Modell SAP-RPT. Version 2.0 soll künftig auch Anomalien und Ausreißer erkennen. Zusammen mit HPE soll das Modell an Bord der Internationalen Raumstation laufen, um Störungen vorherzusagen und fehlende Sensorwerte zu rekonstruieren – ohne Datenversand zur Erde. Ein Zeitmodell namens SAP-RPT-TS soll zudem Prognosen für die Planungslösung Integrated Business Planning liefern.
Als Partner nennt SAP Intel, Docusign, Parloa und Redwood. Intel und SAP wollen Unternehmensabläufe mit autonomen Robotern verbinden.
Rückenwind aus dem Partnernetz
Wie gefragt die Basis bleibt, zeigt ein Projekt von Infosys: Der Dienstleister hat für den Pflanzenschutzbereich von Syngenta eine globale S/4HANA-Umstellung abgeschlossen. Mehrere ERP-Systeme laufen dort nun auf einer Plattform, mehr als 10.000 Beschäftigte in 80 Ländern arbeiten damit.
Mit der Konferenz setzt SAP die Linie der vergangenen Tage fort: KI-Agenten, Governance und Datenplattform als Paket. Konkrete Verfügbarkeitstermine nennt der Konzern für viele Neuerungen nicht, die kostenlose Joule-Studio-Laufzeit läuft allerdings bis Dezember 2026.
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