SAP baut seine KI-Strategie konsequent aus — und diesmal verlässt die Software das Büro. Der Konzern setzt autonome Roboter in eigenen Logistikzentren ein. Das ist mehr als ein Pilotprojekt.

Physische KI als neues Standbein

In Zusammenarbeit mit dem Partner Cyberwave betreibt SAP bereits KI-gesteuerte Roboter in der Lagerhaltung. Unternehmen wie Martur Fompak International und Ericsson testen oder nutzen die Technologie bereits. Das Ziel ist klar: KI nicht nur als Verwaltungshelfer, sondern als operatives Werkzeug in Fertigung und Logistik.

Parallel dazu kommt die SAP Business Data Cloud bald über Microsoft Azure-Rechenzentren in der Schweiz. Nach Deutschland ist das der zweite europäische Standort mit spezifischem „EU Access“ — ein Signal an Kunden, die strenge Anforderungen an Datensouveränität stellen.

Kurs erholt sich, aber Kontext ist wichtig

Die Aktie schloss am Freitag bei 152,10 Euro, ein Tagesplus von 0,53 Prozent. Über sieben Tage legte der Kurs um rund 4,5 Prozent zu. Das technische Bild sendet kurzfristig positive Signale: Der Kurs liegt über dem 50-Tage-Durchschnitt, der RSI von 86,9 zeigt allerdings eine deutlich überkaufte Lage an.

Der längerfristige Rückblick dämpft die Euphorie. Seit Jahresbeginn verlor die Aktie fast 25 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 271,60 Euro trennen den Kurs noch rund 44 Prozent.

Analysten sehen erhebliches Aufholpotenzial

Das durchschnittliche Kursziel der Analysten liegt bei 214,81 Euro — rund 30 Prozent über dem aktuellen Niveau. Deutsche Bank, UBS, Jefferies und Berenberg halten alle an ihrer „Buy“-Empfehlung fest. Begründung: die erfolgreiche Integration von Business AI in die SAP Business Technology Platform.

Rückenwind kommt auch aus dem öffentlichen Sektor. Alphabet zog zuletzt Rechtsmittel bei einem Großauftrag zurück, was SAPs Position als strategischer Partner europäischer Regierungsprojekte stärkt. Ob der Kurs die Marke von 155 Euro nachhaltig zurückerobert, wird in der kommenden Woche zur ersten Bewährungsprobe.