SAP kauft sich Wissen darüber ein, was Mitarbeiter tatsächlich tun. Der Walldorfer Softwarekonzern übernimmt den belgischen KI-Anbieter TechWolf und will damit seine Personalsoftware SuccessFactors sowie den Assistenten Joule aufwerten. Die Aktie notierte im Xetra-Handel zeitweise 1,7 Prozent im Plus bei 188,18 Euro.

Was TechWolf kann

TechWolf entwickelt eine Plattform, die Aufgaben, Fähigkeiten und Entwicklungen am Arbeitsmarkt erfasst. Dafür wertet die Software Daten aus bestehenden HR- und Geschäftssystemen aus und bündelt sie in einem sogenannten „Context Graph for Work“. Das Ergebnis ist ein laufend aktualisiertes Bild davon, welche Arbeit in einem Unternehmen anfällt und welche Kompetenzen vorhanden sind.

Zu den Kunden zählen HSBC, GSK, Ericsson, PayPal und Booking.com. Mit SAP arbeitet das Unternehmen bereits zusammen.

Der Nutzen für KI-Agenten

Der Context Graph soll als Datengrundlage für KI-Agenten dienen, etwa bei Personalplanung, Weiterbildung, internen Wechseln oder der Neugestaltung von Rollen. Manoj Swaminathan, Mitglied des erweiterten SAP-Vorstands, spricht von einer „hervorragenden Basis“ für KI-Abfragen. Die Technologie mache die Nutzung von KI-Modellen effizienter und senke die Einsatzkosten von Workforce-Agenten.

Hier liegt der eigentliche Hebel. Agenten, die auf strukturierte Arbeitsdaten zugreifen, liefern präzisere Antworten und verbrauchen weniger Rechenleistung. Joule soll in HR-Szenarien wie skillbasierter Einstellung und Personalplanung davon profitieren.

Eigenständig und offen

TechWolf soll nach dem Vollzug als eigenständige Gesellschaft unter Mitgründer und CEO Andreas De Neve weiterlaufen, mit Sitz in Gent und Büros in London, New York und San Francisco. Die Plattform bleibt auch für Kunden außerhalb des SAP-Ökosystems verfügbar. Das hält die Tür für Zusatzumsätze offen und schützt die bestehende Kundenbasis.

Finanzielle Details nennen die Unternehmen nicht. Zum Kaufpreis gibt es keine Angaben, als Berater von TechWolf fungierte J.P. Morgan.

Die Transaktion soll im vierten Quartal 2026 abgeschlossen werden, vorbehaltlich behördlicher Genehmigungen. Erst danach wollen SAP und TechWolf gemeinsam neue Produkte zur Optimierung von Personal und Fähigkeiten entwickeln. Konkrete Markteinführungstermine stehen noch aus.