Starke interne Umbauten, schwacher Aktienkurs – bei SAP klaffen Strategie und Marktreaktion derzeit auseinander. Der Softwarekonzern ordnet sein Geschäft radikal der Künstlichen Intelligenz unter. Parallel dazu verordnet das Management dem Unternehmen ein hartes Spardiktat. Die Börse honoriert das bisher kaum.

Neues Vorstandsressort und Einstellungsstopp

Zum 1. Juli 2026 hat SAP ein neues Vorstandsressort geschaffen. Philipp Herzig leitet nun den Bereich „Business AI Platform“. Sein Auftrag: Er soll die technologische Basis für KI im gesamten Produktportfolio bündeln.

Dieser Umbau kostet viel Geld. Das Management steuert mit einer scharfen Kostendisziplin gegen. Berichten zufolge gelten seit Anfang Juli strikte Einstellungsstopps für Positionen ohne KI-Bezug. Auch Geschäftsreisen hat der Konzern massiv reduziert. Das Ziel: Die operative Marge stabilisieren und Kapital für die teure KI-Infrastruktur freimachen.

Dremio liefert die Daten

Ein zentraler Baustein der neuen Strategie ist Dremio. SAP hat die Übernahme des Datenspezialisten am 6. Juli formell abgeschlossen. Dessen Technologie vereinheitlicht die Datenbasis für den hauseigenen KI-Assistenten Joule.

Kunden verknüpfen ihre SAP-Daten künftig direkt mit externen Quellen. Aufwendige Migrationen entfallen. So will der Konzern seine neuen KI-Funktionen in der Kern-Software schneller zu Geld machen. Marktbeobachter sehen in dem rasanten Umbau allerdings auch operative Risiken.

Chartbild bleibt angespannt

An der Börse herrscht derweil Skepsis. Am Vormittag notiert das Papier nahezu unverändert bei 138,52 Euro. Seit Jahresbeginn summiert sich der Verlust auf 31,43 Prozent. Damit pendelt der Kurs weiterhin knapp über seinem Jahrestief.

Der Abstand zur 200-Tage-Linie bei 178,70 Euro signalisiert einen klaren Abwärtstrend. Neue Impulse liefert voraussichtlich der 23. Juli. Dann präsentiert SAP die Quartalszahlen.

Analysten rechnen im Schnitt mit einem Ergebnis je Aktie von 1,76 Euro. Der Umsatz soll auf rund 9,85 Milliarden Euro klettern.

Am 23. Juli richtet sich der Fokus der Märkte auf ein konkretes Detail: den Cloud-Backlog. Er gilt als wichtigster Indikator für das künftige Wachstum. Zeigen diese Auftragszahlen nach oben und stützen die Einsparungen bereits die Marge, legt SAP das Fundament für eine charttechnische Bodenbildung.