Um den teuren Umbau zum KI-Giganten zu bezahlen, verordnet SAP sich ein striktes Spardiktat. Ein harter Einstellungsstopp und gestrichene Reisebudgets zeigen den Ernst der Lage. Die Walldorfer ziehen die Reißleine, um finanzielle Spielräume für massive Investitionen zu schaffen.

Fokus auf das KI-Kerngeschäft

Interne Dokumente vom 8. Juli belegen den harten Kurs. Neue Mitarbeiter stellt SAP fast nur noch für kritische KI-Positionen ein. Parallel dazu hat das Management interne Geschäftsreisen ohne direkten KI-Bezug gestrichen. Die operative Marge soll trotz der teuren Plattform-Infrastruktur stabil bleiben.

An der Börse sorgte dieser Sparkurs für spürbare Verunsicherung. Die Aktie gab am Mittwoch um 3,3 Prozent nach und schloss bei 137,24 Euro. Analysten fürchten, dass hohe Infrastrukturkosten die kurzfristigen Gewinne belasten. Der Tech-Sektor litt am Vortag ohnehin unter einem schwierigen geopolitischen Umfeld.

Grünes Licht für Zukäufe

Ungeachtet der Sparmaßnahmen treibt das Management die Expansion durch Zukäufe voran. Das Bundeskartellamt gab dafür am 8. Juli zwei strategische Übernahmen frei. SAP kann diese Technologien nun direkt in die eigene Cloud integrieren.

  • Dremio Inc.: Die Plattform vernetzt verschiedene Datenquellen ohne physische Verschiebungen. Das beschleunigt die Fütterung von KI-Agenten mit Unternehmensdaten.
  • Prior Labs GmbH: Das Spezialunternehmen liefert KI-Modelle für tabellarische Daten. Das stärkt die SAP-Systeme in den Bereichen Finanzen und Lieferketten.

Aktienrückkauf stützt den Kurs

Der aktuelle Kursrückgang bietet dem Unternehmen einen taktischen Vorteil. Bis zum 27. Juli läuft ein Aktienrückkaufprogramm über 2,6 Milliarden Euro. Wegen der gesunkenen Notierung kann SAP nun mehr Papiere einziehen als im Februar kalkuliert.

Der Blick richtet sich nun auf den 23. Juli. Dann präsentiert CEO Christian Klein die Zahlen für das zweite Quartal. Investoren fordern konkrete Beweise, dass sich die KI-Lösungen bereits finanziell auszahlen. Bis dahin herrscht Ruhe. SAP befindet sich in der strengen Schweigeperiode und kommentiert das laufende Geschäft nicht.