SAP schärft sein Profil im Bereich künstlicher Intelligenz für strukturierte Daten. Nach dem Abschluss der Übernahme von Prior Labs am 17. Juli kündigte der Konzern an, in den kommenden vier Jahren mehr als eine Milliarde Euro zu investieren, um das Unternehmen zu einem weltweit führenden Frontier-AI-Labor auszubauen.

Prior Labs gilt als Pionier sogenannter Tabellarischer Foundation Models, also KI-Modelle, die speziell auf strukturierte Datensätze zugeschnitten sind – ein Kernthema für SAPs Cloud-Geschäft.

Die Übernahme reiht sich in eine Serie von Zukäufen ein. Bereits am 6. Juli hatte SAP die Übernahme des Datenmanagement-Spezialisten Dremio abgeschlossen, im Mai kam mit Reltio ein führender Anbieter für Master Data Management hinzu.

Diese Zukäufe verwässern kurzfristig das operative Ergebnis: SAP passte am 23. Juli seinen Ausblick für das Betriebsergebnis (Non-IFRS) 2026 an, um einen Verwässerungseffekt aus Dremio und Prior Labs von geschätzt über 100 Millionen Euro abzubilden.

Cloud-Geschäft wächst zweistellig

Dass sich die Investitionen operativ auszahlen könnten, zeigen die Quartalszahlen vom 23. Juli. Der Auftragsbestand im Cloud-Geschäft (Current Cloud Backlog) stieg um 27 Prozent auf 22,9 Milliarden Euro, währungsbereinigt um 26 Prozent.

Die Clouderlöse legten um 22 Prozent zu, bei den Erlösen der Cloud-ERP-Suite waren es sogar 25 Prozent. Der Gesamtumsatz wuchs um 9 Prozent. Diese Dynamik untermauert die strategische Logik hinter den Zukäufen: SAP baut nicht nur ein KI-Labor auf, sondern verankert es direkt im wachsenden Cloud-Kerngeschäft.

Parallel zu den Übernahmen ordnete SAP seine Führungsstruktur neu. Anfang Juli übertrug der Konzern operative Verantwortung für Teile der Product & Engineering Organisation von Muhammad Alam interimistisch an Christian Klein.

Zwei neue Teams – SAP Business AI Platform & CTO sowie SAP Autonomous Suite – sollen die KI-Strategie organisatorisch bündeln. Zudem verlängerte der Aufsichtsrat den Vorstandsvertrag von Gina Vargiu-Breuer bereits im April um drei Jahre bis Januar 2030, was Kontinuität im Führungsgremium signalisiert.

Analysten sehen weiteres Potenzial

Am Dienstag hob die Erste Group Bank ihre Gewinnschätzung für SAP für 2026 an. Der Analystenkonsens aus 28 Häusern bleibt klar positiv: 24 empfehlen die Aktie zum Kauf, vier zum Halten, keiner rät zum Verkauf. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 203,22 Euro und damit rund 10,6 Prozent über dem aktuellen Kursniveau.

Am Markt hat sich die Aktie zuletzt kräftig erholt: Nach einem Schlusskurs von 179,80 Euro am Freitag notiert das Papier binnen 30 Tagen 32 Prozent höher, bleibt aber mit einem Minus von 14 Prozent seit Jahresbeginn und einem Abstand von 26 Prozent zum 52-Wochen-Hoch von 242,00 Euro klar unter seinem Höchststand. Der relative Stärke-Index von 70,4 signalisiert dabei bereits eine überkaufte Marktlage, was kurzfristige Rücksetzer nicht ausschließt.

Für Anleger bleibt die Investitionsoffensive ein zweischneidiges Signal: Sie belastet kurzfristig das Ergebnis, stärkt aber langfristig die Positionierung im umkämpften KI-Markt für Unternehmensdaten – ein Feld, in dem SAP mit seiner breiten Cloud-Kundenbasis einen strukturellen Vorteil beansprucht.