SAP treibt sein milliardenschweres Rückkaufprogramm unvermindert voran und bekommt zugleich regulatorischen Rückenwind: Das Bundeskartellamt hat seine Vorermittlungen gegen den Softwarekonzern eingestellt, ohne ein Missbrauchsverfahren einzuleiten. Für Anleger fügt sich damit ein weiteres positives Puzzleteil in ein Bild, das schon seit Wochen von starkem Kursmomentum geprägt ist.

Weitere 2,18 Millionen Aktien zurückgekauft

Im Zeitraum vom 27. bis 31. Juli erwarb SAP über Xetra rund 2,18 Millionen eigene Aktien für insgesamt etwa 344,3 Millionen Euro, bei einem durchschnittlich gezahlten, täglich gewichteten Kurs von 157,62 Euro je Aktie. Damit summiert sich die im laufenden Programm zurückgekaufte Stückzahl bereits auf 2.184.430 Aktien. Der Kauf ist Teil der zweiten Tranche des im Januar angekündigten Rückkaufprogramms mit einem Gesamtvolumen von bis zu 10 Milliarden Euro und Laufzeit bis Ende 2027. Diese Tranche läuft seit dem 27. Juli und sieht vor, bis spätestens 27. Januar 2027 Aktien im Wert von bis zu 2,6 Milliarden Euro zu erwerben. Parallel dazu meldete SAP am 27. Juli einen Aktienkauf von Dominik Asam im Rahmen der Directors’-Dealings-Pflichtmitteilungen – ein Signal, das Anleger als Vertrauensbeweis aus dem Unternehmen selbst lesen dürften.

CEO Christian Klein äußerte sich zuletzt gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“ zum Innovationstempo des Konzerns und sagte, er spüre den Druck, die eigenen KI-Produkte schneller voranzutreiben. Die Aussage fällt in eine Phase, in der SAP mit den Übernahmen des Datenspezialisten Dremio und des KI-Unternehmens Prior Labs – Letztere wurde am 17. Juli abgeschlossen – gezielt Kompetenzen für den KI-Einsatz in Unternehmenssystemen aufbaut.

Kartellamt beendet Vorermittlungen

Am 30. Juli entschied das Bundeskartellamt, seine Vorermittlungen gegen SAP einzustellen. Auslöser waren Beschwerden von Softwareunternehmen, darunter die Münchner Celonis SE, die SAP vorgeworfen hatten, Kunden und Drittanbieter bei der Datennutzung zu behindern und der eigenen Process-Mining-Software Signavio Vorteile zu verschaffen. Kartellamtschef Andreas Mundt betonte laut Reuters, Unternehmen müssten ihre eigenen Daten grundsätzlich auch in Anwendungen anderer Anbieter nutzen können, gerade bei großen Softwareplattformen sei diskriminierungsfreier Datenzugang für funktionierenden Wettbewerb von erheblicher Bedeutung. Der eigentliche Rechtsstreit zwischen SAP und Celonis läuft davon unberührt vor einem Gericht in Kalifornien weiter, die Entscheidung des Kartellamts entlastet SAP jedoch von einem zusätzlichen regulatorischen Risiko in Deutschland.

Reuters ordnete die Entwicklung bei SAP zuletzt in einen breiteren Branchentrend ein: Zusammen mit Capgemini, Sopra Steria und OVHcloud verzeichne SAP stärkere Nachfrage, da Unternehmen von der bloßen KI-Erprobung zum breiten produktiven Einsatz übergingen. Der Cloud-Backlog von SAP war währungsbereinigt um 26 Prozent auf 22,9 Milliarden Euro gestiegen, weil Firmen zunehmend kritische Finanz-, Beschaffungs- und Personalsysteme auf Plattformen verlagern, die als Basis für KI-Anwendungen dienen.

Analysten reagierten mit gesenkten, aber weiter positiven Zielen

Nach den Halbjahreszahlen vom 23. Juli reagierten mehrere Analysehäuser am 27. Juli mit Kurszielanpassungen. Goldman Sachs senkte das Ziel von 230 auf 215 Euro, beließ die Einstufung aber auf „Buy“ – Analyst Mohammed Moawalla verwies auf den robusten Bestand an Cloud-Abonnements sowie die weiterhin starke Produktpipeline. Berenberg nahm die Zielmarke von 215 auf 205 Euro zurück, hielt aber ebenfalls an der Kaufempfehlung fest.

Starke Erholung, aber überkaufte Lage

Der Kurs honorierte das Nachrichtenumfeld deutlich: Am Freitag schloss die SAP-Aktie bei 178,46 Euro, ein Plus von 3,35 Prozent auf Tagesbasis. Über die vergangenen 30 Tage summiert sich der Anstieg auf 29,04 Prozent. Der 14-Tage-RSI von 74,8 signalisiert allerdings eine technisch überkaufte Situation, die kurzfristige Rückschläge nicht ausschließt. Die nächsten Quartalszahlen werden laut Marktkonsens am 21. Oktober erwartet und dürften zeigen, ob sich das beschleunigte Cloud-Wachstum in der zweiten Jahreshälfte fortsetzt.