SAP treibt den Einsatz sogenannter KI-Agenten in zwei zentralen Unternehmensbereichen voran. Der Softwarekonzern beschrieb am Donnerstag in einem Beitrag, wie eine „AI-powered go-to-market organization“ Vertriebsteams künftig mit spezialisierten Agenten für Planung, Kundenansprache, Angebotserstellung, Inhalte und Kundenbetreuung verbinden soll.
Zwei Tage zuvor hatte SAP bereits Details zur Weiterentwicklung der Programmiersprache ABAP veröffentlicht, die ebenfalls auf agentenbasierte KI setzt.
ABAP öffnet sich für externe KI-Werkzeuge
Im Beitrag „With Agentic AI, ABAP Takes Evolution to Next Level“ erklärt SAP, dass der ABAP MCP Server für die Entwicklungsumgebungen Eclipse und Visual Studio Code bereits seit dem zweiten Quartal 2026 allgemein verfügbar ist.
Der Server soll Dritt- und KI-Tools direkten Zugriff auf ABAP-Systeme ermöglichen und damit die klassische SAP-Programmiersprache stärker mit modernen Entwicklungswerkzeugen verzahnen. Für Kunden mit gewachsenen ABAP-Landschaften ist das ein Signal, dass SAP die Integration künstlicher Intelligenz nicht auf neue Cloud-Anwendungen beschränkt, sondern auch tief in bestehende Systeme trägt.
Der Vorstoß bei Vertrieb und Entwicklung fällt in eine Phase, in der SAP operativ deutlich zulegt. Medienberichten zufolge stieg der Cloud-Umsatz zuletzt um 24 Prozent auf 6,28 Milliarden Euro, der Cloud-Auftragsbestand wuchs um 26 Prozent auf 22,9 Milliarden Euro.
Diese Wachstumsraten liefern den Hintergrund, vor dem die neuen KI-Initiativen zu lesen sind: SAP versucht, die Nachfrage nach Cloud- und KI-Funktionen mit konkreten Produkterweiterungen zu untermauern, statt es bei Ankündigungen zu belassen.
Sicherheitswelle vom Dienstag wirkt nach
Am vergangenen Dienstag hatte SAP im Rahmen des monatlichen Patch-Days eine besonders umfangreiche Sicherheitswelle veröffentlicht. Betroffen waren unter anderem SAP Commerce Cloud, SAP Manufacturing Integration and Intelligence und SAP NetWeaver ABAP, darunter mehrere kritische Schwachstellen.
Seit diesem Termin hat die Aktie um 2,6 Prozent zugelegt – ein Hinweis darauf, dass Anleger die Sicherheitsmeldung nicht als Belastung, sondern eher als Routinevorgang eines aktiv gepflegten Softwareportfolios eingeordnet haben.
Aktie bleibt in kräftigem Aufwärtstrend
Der jüngste Kursverlauf unterstreicht die positive Grundstimmung: Am Freitag schloss die SAP-Aktie bei 186,70 Euro, ein Plus von 0,7 Prozent zum Vortag. Über die vergangenen 30 Tage hat das Papier um 43 Prozent zugelegt und damit einen erheblichen Teil der Verluste aus den vorangegangenen Monaten wettgemacht.
Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Minus von 11 Prozent zu Buche, auf Sicht von zwölf Monaten liegt die Aktie 19 Prozent im Minus. Zum 52-Wochen-Hoch von 242,00 Euro, erreicht im Oktober vergangenen Jahres, fehlen der Aktie noch 23 Prozent.
Die Kombination aus operativem Wachstum im Cloud-Geschäft und der sichtbaren Weiterentwicklung KI-gestützter Werkzeuge in Vertrieb und Entwicklung dürfte die kurzfristige Erholung der Aktie mitgetragen haben. Ob sich daraus ein nachhaltiger Trend jenseits der jüngsten 30-Tage-Rally ergibt, hängt davon ab, wie schnell SAP die angekündigten Agenten-Funktionen tatsächlich in zahlende Kundenverträge übersetzt.
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