SAP hat am Dienstag eine strategische Innovationspartnerschaft mit der SIGNAL IDUNA Gruppe im Bereich Künstliche Intelligenz gestartet. Die Ankündigung fällt in eine Phase, in der der Softwarekonzern nach starken Cloud-Zahlen zugleich mit einer vorsichtigeren Gewinnprognose und einer kritischeren Analystenlage zu kämpfen hat.

Neue Allianz für Künstliche Intelligenz

Mit der Partnerschaft will SAP gemeinsam mit dem Versicherungskonzern KI-Anwendungen vorantreiben, wie das Unternehmen am 28. Juli mitteilte. Die Kooperation reiht sich in eine Serie von KI-Initiativen ein: Bereits am 24. Juli hatte SAP bekanntgegeben, dass Airbus die Plattform „RISE with SAP“ samt Sovereign Cloud nutzt, um zentrale Geschäftsprozesse umzubauen. Zuvor, am 17. Juli, hatte der Konzern die Übernahmen des KI-Startups Prior Labs sowie der Datenplattform Dremio abgeschlossen – zwei Zukäufe, die die technologische Basis für weitere KI-Angebote stärken sollen.

Parallel dazu hat SAP einen kartellrechtlichen Streitpunkt aus dem Weg geräumt: Die EU-Kommission erklärte am 9. Juli die Verpflichtungszusagen des Konzerns zu Wartungs- und Support-Dienstleistungen für On-Premise-Software für rechtsverbindlich. Das Verfahren wurde ohne Bußgeld beendet.

Gemischte Bilanz nach dem zweiten Quartal

Die eigentliche Grundlage für die aktuelle Marktbewertung legte SAP bereits am 23. Juli mit den Zahlen zum zweiten Quartal 2026. Der Current Cloud Backlog wuchs währungsbereinigt um 26 Prozent auf 22,9 Milliarden Euro – ein deutliches Signal für anhaltend hohe Nachfrage nach Cloud-Produkten. Gleichzeitig senkte der Konzern seine Prognose für das operative Ergebnis nach Non-IFRS-Rechnung auf ein Wachstum von 13 bis 17 Prozent, nach zuvor 14 bis 18 Prozent. Als Grund nannte SAP Verwässerungseffekte durch die jüngsten Akquisitionen.

Diese Kombination aus robustem Auftragswachstum und gedämpfter Gewinnentwicklung prägt seither die Diskussion um die Aktie. Anleger müssen abwägen, ob die Investitionen in KI-Zukäufe und Partnerschaften langfristig die kurzfristige Margenbelastung rechtfertigen.

Analysten uneins nach den Zahlen

Die Reaktionen der Analysehäuser fielen entsprechend gemischt aus. Berenberg senkte am Montag das Kursziel für SAP von 215 auf 205 Euro, beließ die Einstufung jedoch bei „Buy“. UBS bestätigte am selben Tag ihre „Buy“-Empfehlung mit einem Kursziel von 164 Euro – eine Marke, die nur wenig über dem aktuellen Kursniveau liegt. Weitere Institute bewegen sich mit ihren Einschätzungen zwischen rund 175 und 210 Euro und sind sich uneinig, wie stark der Margenrückgang aus dem abgelaufenen Quartal zu gewichten ist.

Kursreaktion: Aktie gibt nach starkem Lauf ab

Am heutigen Donnerstag verliert die SAP-Aktie 2,29 Prozent und notiert bei 158,50 Euro. Der Rücksetzer kommt nach einer kräftigen Erholungsphase der vergangenen Wochen, in der sich der Kurs deutlich von seinem Jahrestief gelöst hatte. Trotz der jüngsten Gegenbewegung bleibt das Papier rund 9,46 Prozent unter seinem 200-Tage-Durchschnitt und damit unterhalb seines mittelfristigen Trends. Die heutige Kursbewegung deutet darauf hin, dass Anleger die gesenkte Gewinnprognose und die Kürzung des Berenberg-Kursziels stärker gewichten als die operativen Fortschritte im Cloud-Geschäft und bei den KI-Partnerschaften.

Für die weitere Kursentwicklung dürfte entscheidend sein, ob sich die zusätzlichen KI-Investitionen zeitnah in Wachstum niederschlagen – oder ob die Margenbelastung aus den Übernahmen die Anleger länger beschäftigt als geplant.