SAP-Chef Christian Klein hat in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung eine offenere Feedbackkultur und eine klare Leistungsbewertung in Unternehmen gefordert. „Nicht jeder ist ein Top-Performer“, sagte der 46-Jährige und plädierte für transparente Gehaltsstrukturen. Zugleich warnte er vor einer wachsenden Abhängigkeit Europas von US-amerikanischer und chinesischer KI-Technologie und mahnte, der Kontinent müsse schneller agieren.

Neue Data Scientists, Stellenabbau nicht ausgeschlossen

Klein kündigte an, SAP werde 400 bis 500 zusätzliche Data Scientists einstellen. Nach seinen Angaben macht Künstliche Intelligenz die Softwareentwicklung bereits um 30 Prozent produktiver – ein Effekt, der die Personalplanung des Konzerns mit weltweit 112.000 Beschäftigten direkt beeinflusst. Einen weiteren Stellenabbau schloss der SAP-Chef nicht aus. Der Wandel zeigt sich auch operativ: Ein internes Team hatte heimlich an einem Konkurrenzprodukt zum Automatisierungswerkzeug n8n gearbeitet, der Vorstand stoppte das Projekt jedoch. Personell setzt der Konzern auf Kontinuität an der Spitze der Personalabteilung: Der Vertrag von Chief People Officer Gina Vargiu-Breuer wurde bis zum 31. Januar 2030 verlängert.

Der öffentliche Auftritt Kleins fällt in eine Phase, in der SAP nach eigener Darstellung im Wettbewerb mit spezialisierten KI-Anbietern unter Druck steht. Der Aktienkurs hat im vergangenen Jahr deutlich nachgegeben, was die Debatte um Kostenstruktur und Innovationsgeschwindigkeit im Konzern zusätzlich befeuert.

344,3 Millionen Euro für Aktienrückkäufe

Parallel zur Debatte um Leistungskultur und KI-Strategie hat SAP am heutigen Mittwoch eine Zwischenmeldung zum laufenden Aktienrückkaufprogramm 2026 veröffentlicht. Demnach hat der Konzern bislang 344,3 Millionen Euro für Rückkäufe eigener Aktien aufgewendet. Solche Programme signalisieren üblicherweise Vertrauen des Managements in die eigene Bewertung und stützen tendenziell den Kurs, indem sie die im Umlauf befindliche Aktienzahl reduzieren.

Kursrally trifft auf schwaches Jahr

Am Kapitalmarkt kommt die Mischung aus Rückkaufprogramm und strategischen Ankündigungen bislang gut an. Die SAP-Aktie schloss am Dienstag mit einem Plus von 2,18 Prozent bei 168,80 Euro. Über die vergangenen 30 Tage hat das Papier damit sogar rund 20,02 Prozent zugelegt – eine deutliche Erholung nach einem schwierigen Jahresverlauf. Denn auf Zwölfmonatssicht steht immer noch ein Minus von 31,58 Prozent, ein Ausdruck des massiven Kurseinbruchs, den SAP-Aktionäre seit dem Rekordhoch im vergangenen August hinnehmen mussten.

Analysten bewerten die Aktie mehrheitlich weiterhin positiv und verweisen auf einen wachsenden Cloud-Auftragsbestand als Stütze für künftige Umsätze. Als Risikofaktoren gelten neben der schwachen deutschen Konjunktur eine laufende Kartelluntersuchung des US-Justizministeriums sowie eine parallel laufende Restrukturierung, die laut Marktbeobachtern rund 10.000 Stellen betrifft. Der Konzern hatte zuletzt einen Jahresumsatz von 41,49 Milliarden US-Dollar und einen Nettogewinn von 8,07 Milliarden US-Dollar ausgewiesen.

Für Anleger bleibt SAP damit ein Fall mit zwei Gesichtern: Auf der einen Seite die frische Kursdynamik und das Signal des Rückkaufprogramms, auf der anderen Seite ungelöste strategische Fragen rund um die eigene Position im KI-Wettlauf und die Kosten des Umbaus. Kleins öffentliche Forderung nach mehr Leistungskultur dürfte in diesem Spannungsfeld auch innerhalb des Konzerns für Diskussionen sorgen.