SAP hat am Dienstag im Rahmen seines monatlichen Patch-Days 19 neue Sicherheitshinweise veröffentlicht. Vier davon gelten als kritisch, mit einem CVSS-Wert von 9,0 oder höher. Die gravierendste Schwachstelle, CVE-2026-44756, erreicht mit einem Wert von 10,0 die höchstmögliche Einstufung und betrifft die Speicherverarbeitung im SAP Kernel sowie den Web Dispatcher.
Ein CVSS-Wert von 10,0 markiert die maximale Kritikalität, die das Bewertungssystem für Sicherheitslücken kennt. Betroffen ist die Verarbeitung von sogenannten Extended Passports, ein internes Datenformat, über das der Kernel und der Web Dispatcher kommunizieren. Unternehmenskunden müssen die bereitgestellten Patches nun zeitnah einspielen, um ihre SAP-Systeme abzusichern.
Kundengeschäft läuft trotz Sicherheitsdebatte weiter
Parallel zur Sicherheitswarnung meldete SAP neue Referenzkunden für seine Cloud-Angebote. Lockheed Martin setzt nach Unternehmensangaben auf SAP SuccessFactors Solutions, um seine Belegschaft im Rahmen einer Transformation neu aufzustellen.
Bereits Anfang September hatte der Elektrotechnikkonzern HARTING bekanntgegeben, seine Cloud-Transformation mit RISE with SAP voranzutreiben. Solche Referenzfälle unterstreichen, dass die laufende Sicherheitsdiskussion das operative Neukundengeschäft bislang nicht zu bremsen scheint.
Die jüngsten Kundenmeldungen fügen sich in ein Bild, das SAP zuletzt auch mit Zahlen untermauert hatte. Der Cloud-Auftragsbestand war Ende Juli auf 22,9 Milliarden Euro geklettert, ein Plus von 27 Prozent.
Die Cloud-Erlöse legten währungsbereinigt um 24 Prozent zu, das Cloud-ERP-Suite-Geschäft sogar um 27 Prozent. Zugleich hatte der Konzern seine Gewinn-Guidance für das laufende Jahr wegen Verwässerungseffekten aus den Übernahmen von Dremio und Prior Labs leicht auf 11,8 bis 12,2 Milliarden Euro non-IFRS gesenkt.
Kurs bleibt unter Druck
Die SAP-Aktie notierte am Mittwoch bei 180,18 Euro und büßte damit 0,9 Prozent ein. Auf Wochensicht steht ein Minus von 3,2 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn hat das Papier 14 Prozent verloren. Vom 52-Wochen-Hoch bei 242,00 Euro, erreicht im Oktober vergangenen Jahres, trennen den Kurs mittlerweile 26 Prozent.
Die Kursschwäche reiht sich in eine länger anhaltende Neubewertung des Papiers ein, die auch mit der Diskussion um SAPs KI-Strategie zusammenhängt. Ende August hatte die Schweizer Großbank UBS ihre Einstufung von „Kaufen“ auf „Neutral“ gesenkt, das Kursziel gleichzeitig aber von 164 auf 211 Euro angehoben – ein Signal dafür, dass die Bewertungsdebatte komplexer ist als ein einfaches Verkaufssignal.
Führungsspitze bleibt weitgehend zusammen
Für Kontinuität im Management sorgte Anfang August die Ankündigung, dass Vorstandschef Christian Klein seinen Vertrag bis April 2030 verlängert hat. Finanzvorstand Dominik Asam verlängerte auf eigenen Wunsch nur bis 2028, was am Markt als personelle Stabilität mit einem offenen Fragezeichen auf der Finanzchef-Position gewertet wurde.
Für Anleger ergibt sich damit ein zweigeteiltes Bild: Operativ wächst das Cloud-Geschäft kräftig, und namhafte Kunden wie Lockheed Martin bauen ihre SAP-Nutzung aus. Gleichzeitig belastet die kritische Sicherheitslücke kurzfristig das Vertrauen, während der Aktienkurs mit einem Abstand von 26 Prozent zum Jahreshoch die Skepsis des Marktes gegenüber der KI-Roadmap widerspiegelt.
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