Die Wartungsfrist für SAP ECC rückt näher, und die Kunden reagieren. Eine neue Anwenderstudie zeigt, wie weit die S/4HANA-Umstellung inzwischen ist. Sie zeigt aber auch, dass die KI-Strategie des Konzerns bei den Nutzern noch nicht angekommen ist.
Migration gewinnt an Tempo
Die Studie stammt vom Datenmanagement-Anbieter Precisely und der Anwendergruppe ASUG. Demnach haben 67 Prozent der befragten Unternehmen ihre Migration auf S/4HANA ganz oder teilweise abgeschlossen. 2025 waren es 59 Prozent, 2024 lediglich 50 Prozent. Weitere 23 Prozent wollen innerhalb von 24 Monaten folgen.
Der Druck kommt vom Kalender: Das Wartungsende für SAP ECC ist für 2027 angesetzt. Das stützt die Nachfrage nach Cloud-Lösungen des Konzerns.
Die Umstellung läuft dennoch nicht reibungslos. 53 Prozent nennen individuelle Anpassungen im alten System als größte Hürde. 83 Prozent halten die Bereinigung der Stammdaten für wichtig.
KI: Joule nur auf Rang drei
Bei der KI-Nutzung rund um SAP-Prozesse liegt Microsoft Copilot mit 60 Prozent vorn. Es folgen ChatGPT mit 27 Prozent und SAPs eigener Assistent Joule mit 26 Prozent. Der Konzern muss also gegen externe Werkzeuge um Marktanteile in der eigenen Kundenbasis kämpfen.
Vollautomatisierte, KI-gesteuerte Prozesse sind selten: Nur 3 Prozent der Unternehmen berichten davon. Mehr als die Hälfte steht bei KI-gestützter Entwicklung noch am Anfang. Menschliche Kontrolle bleibt in den meisten Fällen Standard.
Auffällig ist zudem der Trend zu Zusatzlösungen. Ein Drittel der Unternehmen setzt bei der Automatisierung auf einen Best-of-Breed-Ansatz, im Vorjahr war es knapp ein Fünftel. Das öffnet Raum für Partner, schwächt aber den Anspruch, alles aus einer Hand zu liefern.
Partnerökosystem wächst
Wie das Zusammenspiel aussehen kann, zeigt die Softwarefirma Inriver. Sie hat den exklusiven Partnerstatus Spotlight+ im Bereich Customer Experience erreicht. Ihre Produktdatenlösung soll als Datenbasis für SAPs KI-Agenten in der Plattform Autonomous CX dienen. Ein SAP-Vertreter betonte, saubere Produktinformationen seien Voraussetzung dafür, dass Agenten verlässliche Ergebnisse liefern.
Marktkommentare sehen SAP in der aktuellen Schwäche der US-Softwarewerte als vergleichsweise stabil. Als Grund gelten die tief in den Geschäftsalltag der Kunden integrierten Cloud-Lösungen. Die Studie stützt diese Lesart bei der Migration, relativiert sie aber bei der KI-Akzeptanz.
Der Stichtag 2027 bleibt der klarste Treiber. Mit jedem Migrationsprojekt, das bis dahin abgeschlossen wird, verschiebt sich die Frage von der Umstellung hin zur Nutzung von Joule und Agenten.
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