SAP treibt den Umbau in Richtung künstlicher Intelligenz mit zwei abgeschlossenen Übernahmen voran. Anfang Juli sicherte sich der Walldorfer Konzern die Data-Lakehouse-Plattform Dremio, wenige Tage später kam mit Prior Labs ein Spezialist für tabellarische Foundation Models hinzu.
Für Prior Labs will SAP in den kommenden vier Jahren mehr als eine Milliarde Euro investieren, um daraus ein globales Frontier-AI-Labor für strukturierte Daten aufzubauen.
Die Käufe fügen sich in eine Wachstumsstory, die SAP zuletzt mit robusten Quartalszahlen untermauerte. Im zweiten Quartal 2026 stieg der Auftragsbestand im Cloud-Geschäft, der Current Cloud Backlog, währungsbereinigt um 26 Prozent auf 22,9 Milliarden Euro.
Die Cloud-Erlöse legten um 24 Prozent zu, das margenstarke Cloud-ERP-Suite-Geschäft sogar um 27 Prozent. Der Gesamtumsatz wuchs währungsbereinigt um 11 Prozent, während der operative Gewinn nach Non-IFRS um 9 Prozent zulegte.
Guidance leicht angepasst, Cloud-Ziel bestätigt
Für das laufende Jahr rechnet SAP nun mit einem Non-IFRS-Betriebsgewinn zwischen 11,8 und 12,2 Milliarden Euro, währungsbereinigt ein Plus von 13 bis 17 Prozent. Das liegt minimal unter der vorherigen Spanne von 11,9 bis 12,3 Milliarden Euro – SAP begründet die Anpassung mit einer Verwässerung von über 100 Millionen Euro durch die frisch integrierten Übernahmen von Dremio und Prior Labs.
Beim Cloud-Umsatz bleibt der Konzern ambitioniert: Die Zielspanne von 25,8 bis 26,2 Milliarden Euro entspricht einem währungsbereinigten Wachstum von 23 bis 25 Prozent.
Parallel zur Übernahmestrategie ordnet SAP intern Verantwortlichkeiten neu. Seit Anfang Juli hat Vorstandschef Christian Klein interimistisch Teile der Produktentwicklung übernommen, die zuvor bei Muhammad Alam lagen. Zwei neue Einheiten – die SAP Business AI Platform & CTO sowie die SAP Autonomous Suite – berichten künftig direkt an Klein. Das unterstreicht, welchen Stellenwert die KI-Agenda im Konzern inzwischen einnimmt.
Kurs nähert sich altem Widerstand
Die Aktie honoriert die Entwicklung: Nach einem Insider-Kauf vor rund einem Monat legte das Papier um 29,7 Prozent zu, seit der Einstellung der kartellrechtlichen Vorermittlungen des Bundeskartellamts vor rund zwei Wochen kamen weitere 8,2 Prozent hinzu.
Am heutigen Dienstag notiert SAP bei 182,62 Euro, ein Plus von 1,9 Prozent gegenüber dem gestrigen Schlusskurs von 179,22 Euro. Damit bleibt die Aktie noch ein Viertel unter ihrem Rekordhoch von 242,00 Euro aus dem Oktober, hat sich vom Jahrestief bei 127,52 Euro aber deutlich abgesetzt.
Ein RSI von knapp 72 signalisiert kurzfristig eine überkaufte Lage, was nach der jüngsten Rally nicht überrascht. Die Erste Group Bank hob am Dienstag vergangener Woche ihre Gewinnschätzung für 2026 an – ein weiteres Indiz dafür, dass die Cloud-Dynamik am Markt positiv aufgenommen wird.
Regulatorische Front bleibt ruhig
Auch auf europäischer Ebene entspannt sich die Lage: Die EU-Kommission akzeptierte im Juli verbindliche Zusagen von SAP zu Wettbewerbsbedenken rund um Aftermarket-Support-Services für On-Premise-ERP-Software.
Zusammen mit dem Ende der deutschen Kartellermittlungen entfällt damit vorerst ein regulatorisches Risiko, das die Aktie zeitweise belastet hatte. Für Anleger bleibt die Kombination aus M&A-getriebener KI-Strategie, soliden Cloud-Zahlen und nachlassendem regulatorischem Gegenwind der zentrale Treiber der jüngsten Kursbewegung.
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